Mit einem Knall verschwanden am 12. Februar 2026 zwei der vier Flutlichtmasten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (Prenzlauer Berg). Die Sprengung konnte auch vom Brunnenviertel aus verfolgt werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bezeichnet den Abriss als „Rückbau“ – doch die Bürgerinitiative Jahnsportpark spricht von einer „Zerstörung von Stadtgeschichte“ und fordert einen nachhaltigen Umbau des Sportparks.
Was passiert ist
- Zeitpunkt: Die Sprengung erfolgte am 12. Februar 2026 um 11.30 Uhr nach zwei Warntönen.
- Technische Daten: Die Masten wogen jeweils 39 Tonnen und waren 48 Meter hoch.
- Historische Bedeutung: Errichtet 1986/87 zur 750-Jahr-Feier Berlins.
- Grund für die Sprengung: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin will Platz schaffen für einen kompletten Neubau des Sportparks (zu den Senatsplänen).
Die Ära der Flutlichtmasten: Symbole einer Epoche
Zwei Lichter erlöschen für immer (aber wir kämpfen weiter) – in Erinnerung an die Flutlichtmasten des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions. Errichtet 1986/87 im Zuge der großen Stadionerweiterung zur 750-Jahr-Feier Berlins, prägten sie bis vor Kurzem mit fast 50 Metern Höhe und gleißendem Licht die Silhouette über dem Prenzlauer Berg.
Die ikonischen, fächerförmig geneigten Lichtmasten haben in ihrem kurzen Leben viel erlebt. Sie sahen, wie Michael Jackson am 4. September 1992 vor Zehntausenden die Nacht erhellte – ein Konzert, das Berlin in Atem hielt. Sie erlebten DDR-Länderspiele vor 30.000 Menschen, Europapokalabende des BFC Dynamo, American-Football-Spiele und den historischen Moment, als der Jahn-Sportpark 2015 das Finale der UEFA Women’s Champions League empfing.

Warum die Masten für den Kiez unersetzbar waren
Unter ihrem Licht wuchsen Generationen von Sportlerinnen und Sportlern auf: Schulkinder, Leichtathletinnen und Leichtathleten, Fußballerinnen und Fußballer.Doch ihr Licht strahlte weit über das Spielfeld hinaus. Im ganzen Kiez war der Schein zu sehen – an manchen Abenden wie eine große Nachtlampe am Horizont, etwas Vertrautes, Behagliches. Auch tagsüber waren die Masten ein Orientierungspunkt: weit über die Grenzen des Prenzlauer Bergs hinweg sichtbar, ein Zeichen dafür, wo es langgeht – und wo Zuhause ist.
Ein Tag, der den Park für immer veränderte
Am 12. Februar 2026 erklangen zwei Warntöne. Vögel flogen auf, Füchse rannten um ihr Leben. Dann fielen die Riesen: ein kurzer Knall, ein metallisches Kreischen – und schließlich stürzten sie mit jeweils 39 Tonnen Stahl auf das Spielfeld, das sie ein Leben lang beleuchtet hatten. Zwei ihrer Geschwister, die westlichen Masten Richtung Mauerpark, stehen noch. Doch das Ensemble ist zerstört, der Blick über den Sportpark und aus vielen Straßen ist ein anderer geworden – die klaffende Lücke ist unübersehbar.
Diese Sprengung, von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen als „Rückbau“ bezeichnet, ist kein bloßer Verwaltungsakt. Wer so zerstört, zerstört nicht nur Stahl – er sprengt auch Erinnerung. Senator Christian Gaebler (SPD) räumt mit einem Knall Symbole der DDR aus dem Horizont, weil sie nicht in sein Bild von Berlin passen: Er träumt von einem großen Stadion, mit dem große Spiele in die Stadt gelockt werden sollen. Große, teure Spiele – in Zeiten, in denen Berlin nicht einmal mehr ausreichend Geld für Kultur und Bildung hat. Ein großes, völlig überdimensioniertes Stadion – in Zeiten, in denen Geld für kleine Reparaturen in Turnhallen und Schultoiletten in Schulen fehlt.

Die nachhaltige Alternative der Bürgerinitiative
Dabei liegt eine bessere Lösung längst auf dem Tisch: „RESTART JSP“, das nachhaltige Szenario der Bürgerinitiative Jahnsportpark. Das Zukunftsszenario, über das im Brunnenmagazin berichtet wurde, setzt auf Erhalt, kluge Sanierung und Weiterentwicklung statt Abriss und Versiegelung. Dabei geht es auch um die Sportwiese – jene etwa ein Hektar große, von altem Baumbestand umgebene Freifläche im nördlichen Teil des Parks. Hier kann jede und jeder Sport machen, in Gemeinschaft und auf Augenhöhe.
Die Sportwiese braucht keine Plastikbahnen, keine Beton-Tribünen und keine VIP-Parkplätze: Tagsüber ist die Sportwiese ein Ort für Bewegung und Natur, nachts kühlt die offene Fläche den Kiez und wirkt sommerlicher Hitze entgegen. Auch die Sportwiese will die Senatsverwaltung „sanieren“ – und plant sie mit hohen Fangzäunen abzuriegeln und mit einem Kunstrasenplatz zu überbauen.
Aktiv werden für einen nachhaltigen Sportpark
Wer die Pläne der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ebenfalls ablehnt und nicht weiter tatenlos zusehen will, kann etwas tun. Unterstütze die Bürgerinitiative Jahnsportpark, mach mit – damit die Entwicklung des Jahn-Sportparks in eine andere, nachhaltige und für die Anwohnerschaft positive Richtung geht. Auf der Website die Bürgerinitiative gibt weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten: www.jahnsportpark.de/mitmachen.
Text: Alexander Puell und die Bürgerinitiative Jahnsportpark
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Dieser Beitrag ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Mit einem Knall“ enthalten, das am 26. März 2026 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit einem Knall“ gesammelt und verlinkt.

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