Die Brunnenstraße zwischen der Voltastraße und dem AEG-Beamtentor 1926 und im Februar 2021. Ein aktuell-historischer Bildervergleich von Ralf Schmiedecke.

Lebhafter Verkehr mit Straßenbahnen und vielen Fußgängern prägten einst die beliebte Geschäftsstraße. Die Straßenbahnlinie 36 verkehrte seinerzeit zwischen Schönholz und Neukölln, Hermann-/Ecke Kranoldstraße. Rechts auf den Bildern zu sehen ist die Brunnenstraße 107a, auch als das prächtige Eingangsportal für Beamte der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) bekannt. Es entstand 1896/97 nach Plänen des Architekten Franz Schwechten und ist heute noch originalgetreu erhalten.
Links daneben die Mietshäuser 107 bis 110, die von 1887 bis 1894 entstanden. In Nummer 107 (Eckhaus, errichtet mit drei Portalen) befand sich kurz nach der Fertigstellung das Büro des X. Radialsystems der Pumpstation (Kanalisation Bellermannstraße 7). Im Erdgeschoss gab es das gut besuchte Restaurant „Zum gelben Schloss“ mit Schankgarten. Auf der historischen Aufnahme ist der einstige Eckeingang mittlerweile mit der Werksmauer versperrt.
Die AEG expandierte auch hier und kaufte alle Gebäude auf, die um 1927 im Zeichen der neuen Zeit völlig entstuckt und für Büros genutzt wurden. Im Zweiten Weltkrieg fielen dann diese Häuser vollständig in Schutt und Asche. Weiter links dahinter sieht man auf dem alten Bild in der Brunnenstraße 111 das verklinkerte Verwaltungsgebäude des Betriebsbahnhofs XVII der Groß-Berliner-Straßenbahn, das um 1888 im Rahmen der Pferdeeisenbahn mit Stallungen an der Voltastraße errichtet wurde und mit Sprengung um 1970 verschwand.

Nachdem der Pferdestraßenbahnbetrieb eingestellt wurde, übernahm 1906 die Carl Kühne Weinessig-, Mostrich und Konservenfabrik das Gelände und errichtete ein Jahr später an der Brunnenstraße 111a/Ecke Voltastraße anstatt der Ställe ein Geschäftshaus mit einem weit sichtbaren Zwiebelturmaufbau. Hier befand sich seit 1911 auch das Kino „Record-Lichtspiele“. Noch vor dem Berliner Mauerbau war es Grenzkino und wurde danach noch bis 1964 bespielt. Um 1970 musste auch dieses markante Gebäude weichen.
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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Fit für den Frühling“ enthalten, das im März 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Heft: Fit für den Frühling“ gesammelt und verlinkt.

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