Blick von der Graunstraße durch die Lortzingstraße zur Brunnenstraße auf einer (mit KI) colorierten Ansichtskarte mit rosa Sonnenuntergang um 1905 präsentiert im heutigen Vergleich von Ralf Schmiedecke.

Nach dem berühmten Berliner Komponisten Albert Lortzing (1801–1851) wurde die Straße 87 der Abteilung XI des Bebauungsplans in der nördlichen Rosenthaler Vorstadt am 3. Mai 1895 benannt. Sie wurde sogleich mit Mietshäusern im Stil der Gründerzeit mit zahlreichen Balkonen bebaut.
Meist in größeren Eckgeschäften von einfachen Mietshäusern gab es bereits große Verkaufsflächen, die sich als Kaufhaus eigneten, deren Auswahl zwar groß, jedoch die Produktpalette noch sehr begrenzt war. Auf dem historischen Bild sieht man links hinter der Kinderschar das Warenhaus von Heymann Weiss in der Lortzingstraße 19/Ecke Graunstraße 38, das sich auf Textilien und Kleiderstoffe spezialisierte.
Kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden moderne Geschäftshäuser häufig in besten Innenstadtlagen, deren Erdgeschoss und Beletage dem Gewerbe zugeordnet waren. Aber auch diese Wohn- und Geschäftshäuser wurden alsbald zu klein, sodass wahre Konsumtempel entstanden. Beispielhaft sei Europas größtes Warenhaus Wertheim in Berlin am Leipziger Platz genannt. Der aus der Hansestadt Stralsund stammende jüdische Kaufmann und Konzerngründer Georg Wertheim (1857–1939) beauftragte den Architekten Alfred Messel für die ersten drei Bauabschnitte, die von 1896 bis 1906 entstanden.
Außen mit vertikal gegliederten Pfeilerfassaden aus fränkischem Muschelkalkstein mit zahlreichen Skulpturen errichtet, gab es im Inneren des fünfgeschossigen Baus mehrere prächtige Lichthöfe. 1909 und 1927 folgten in historischer Annäherung Erweiterungen durch Heinrich Schweitzer sowie Schmohl & Kolb auf jetzt über 112.000 Quadratmetern Nutzfläche. Heute befindet sich hier die am 25. September 2014 eröffnete „Mall of Berlin“ mit rund 200 Geschäften auf 76.000 Quadratmeter Verkaufsfläche.
Das rechts zu sehende Gebäude Lortzingstraße 24 zur Graunstraße 37 entstand 1895 durch den Maurermeister Carl Wolf. Am Eck gab es das Familienrestaurant von Gastwirt Carl Koblenzer. Nach Umbau 1977 erhielt es keinen neuen Stuck, aber eine bunte Fassadenfarbgestaltung sowie einheitliche Balkone im rotlackierten modernen Metallstil. Seit den 1950er Jahren war hier bis zur Sanierung die Drogerie von Heinz Eisner und seiner Frau.

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Der Text ist auch im Kiezmagazin „Mit Über-Blick“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit Über-Blick“ gesammelt und verlinkt.

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