Einer gegen alle und alle gegen einen. Auf der einen Seite steht der Investor, der in der Koloniestraße 10 Mikrowohnungen bauen möchte. Auf der anderen Seite stehen die, die mit juristischen Mitteln den Investor stoppen wollen. Das sind vielleicht nicht alle, aber viele. Sie wollen den Kulturhof Kolonie 10 retten. Sie bitten per Crowdfunding um Geld, damit die Vielen dem Einen etwas entgegensetzen können.

Koloniestraße 10 retten. Das ist der Titel eines Spendenaufrufs auf betterplace.org. Die Naturfreunde Deutschlands Landesverband Berlin e.V. wollen 7.000 Euro sammeln, um Anwaltskosten und Rechtsgutachten zu bezahlen. Die Naturfreunde klagen, weil der Remisenhof ein Rückzugsort nicht für Menschen, sondern auch für Vögel und Fledermäuse ist. Konkret sagt Uwe Hiksch, einer von zwei stellvertretenden Vorsitzenden der Naturfreunde Berlin: „Die Untere Naturschutzbehörde des Bezirkes ist in der Verantwortung und muss den Abriss-Stopp aufgrund des Artenschutzes und fehlenden Ausgleichsmaßnahmen sofort durchsetzen.“
Aus Sicht der Natufreunde ist der mit dem Berliner Hofbegrünungsprogramm der 1990er Jahren bepflanzte Remisenhof „ein frühes und wegweisendes Beispiel für den Bereich der Stadtökologie“. Deshalb haben die Naturfreunde Berlin am 29. Januar beim Berliner Verwaltungsgericht einen Eilantrag auf Abrisstopp gestellt.

Zur Begründung sagen sie: Der Umbau des Hofes von einem toten, versiegelten Platz zu einem Lebensraum in der Großstadt wurde damals vom Land Berlin finanziert. In der grünen Oase inmitten der Stadt, leben nun ganzjährig geschützte Freibrüter, Höhlenbrüter, Gebäude bewohnende Vögel und Fledermäuse, so die Naturfreunde Berlin. Die Rechtslage verlangt, dass die Lebensstätten dieser Tiere zu erhalten sind, heißt es. Angela Laich von der Arbeitsgemeinschaft Artenschutz bei den Naturfreunden sagt: „Die Arten im Kulturhof Koloniestraße 10 wurden durch die Naturfreunde ausführlich in den Jahren 2020 und 2023 erfasst und der Unteren Naturschutzbehörde liegen diese Gutachten auch vor.“
Abriss hart an der Grenze des Erlaubten
Doch der Investor setzt immer wieder an, die Garagen und Remisen, die seinem Bauprojekt im Wege stehen, abzureißen. Er will nach dem Vorbild des benachbarten Grundstücks Koloniestraße 11 und 12 mehrstöckige Häuser mit Kleinstwohnungen bauen, die als möblierte Zimmer zu hohen Mieten angeboten werden. Um sein Ziel zu erreichen, setzt der Investor auch grenzwertige Methoden ein, wie Berichten der Mietern zu entnehmen ist. Zu hören ist von Rangeleien und, dass bei dem bereits erfolgten Abriss von Garagen und Nebengebäuden eine Heizungsanlage beschädigt wurde. Ob das Unfall war oder nicht, wissen nur die Beteiligten. Ein Indiz ist, dass es in den letzten Jahren immer wieder zu Verzögerungen bei der Lieferung von Heizöl durch den Vermieter kam. So berichten es die Bewohner.

Kolonie 10 beschäftigt auch die Politik
Der Fall Kolonie 10 hat längst eine symbolische Bedeutung und wird deshalb auch in der Bezirkspolitik diskutiert. Die Partei Die Linke hat am 23. Januar einen Antrag eingereicht, der von den Bezirksverordneten angenommen wurde. In dem Antrag heißt es: „Das Bezirksamt wird ersucht, den Investor Romeo Uhlmann, der augenscheinlich keinen Respekt vor Recht und Gesetzen hat, deutlich in die Schranken zu weisen.“ Weitere „illegale Abrissversuche muss das Bezirksamt anzeigen“. Außerdem stellte die CDU eine Große Anfrage zur baurechtlichen Situation und wie der Bezirk dafür sorgen will, dass die Rechtsvorschriften eingehalten werden. Und die Partei Die Linke fragte, warum die Untere Naturschutzbehörde nicht auf Artenschutz bestanden habe.




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