Erst gab es einen Pokal für den „dreckigsten Kiez“ in Mitte. Dann einen zweiten mit der Aufschrift „Vielen Dank für das Engagement!“. Überreicht wurden beide Pokale der AG Sauberer Sprengelkiez am 12. September am Rande ihres Herbst-Cleanups.

Der erste Pokal war das Ergebnis der Aktion „Mitte sucht den dreckigsten Ort“. Dabei konnten Menschen Orte melden, die sie als besonders vermüllt empfanden. Für den Sprengelkiez gingen besonders viele Meldungen ein. Über die Aktion und ihre Ergebnisse hatten wir bereits berichtet.
Bei den Ehrenamtlichen kam die Auszeichnung allerdings nicht gut an. Schließlich engagiert sich die AG Sauberer Sprengelkiez seit Jahren dafür, dass der Kiez sauberer wird. Und gerade an diesem Tag zeigte sich dieses Engagement besonders deutlich: Rund 50 Menschen beteiligten sich am Herbst-Cleanup. In anderthalb Stunden sammelten sie 202 Kilogramm Müll, darunter rund zehn Kilogramm Glas. Auch dem Ordnungsamt war offenbar klar, dass der erste Pokal ein falsches Signal setzt. Deshalb folgte ein zweiter. Auf ihm stand: „Vielen Dank für das Engagement!“
202 Kilogramm Müll in anderthalb Stunden
Danach ging es um das eigentliche Thema: Rund 20 Menschen blieben zu einer Gesprächsrunde über Müll und Sauberkeit im Sprengelkiez. Der inzwischen fünfte Talk dieser Art wurde von Philipp Conce-Roos moderiert. Auf dem Podium saßen Bezirksstadtrat Christopher Schriner, Heike Klaus von der Berliner Stadtreinigung (BSR), Marcus Baur, Leiter des Regionalzentrums Reinigung bei der BSR, sowie ein Vertreter des Ordnungsamtes Mitte.

Gleich mit Beginn der Gesprächsrunde wurde es sehr konkret. Heike Klaus, die als Kraftfahrerin bei der BSR arbeitet, berichtete aus ihrem Arbeitsalltag. Sie gehört zu einem vierköpfigen Team, das seit dem 1. Juli zusätzlich im Sprengelkiez eingesetzt wird. Ihre Arbeit besteht dabei nicht nur darin, Straßen und Gehwege zu reinigen.
Auf ihrer Tour geht sie zum Beispiel auch in Geschäfte und sucht das Gespräch mit den Gewerbetreibenden. Sie spricht mit ihnen darüber, Gewerbemüll nicht einfach vor der Tür abzustellen. Auch Zigarettenkippen sind ein Thema – etwa wenn sie unmittelbar nachdem die BSR einen Gehweg gereinigt hat wieder auf dem Boden landen. „Diese direkte Ansprache wirkt“, berichtete Heike Klaus.

Wenn der Müllsack zu schwer ist
Über ganz konkrete Situationen wie diese wurde in der Runde gesprochen. Ein Thema waren zum Beispiel Müllsäcke der Cleanup-Initiative, die so schwer sind, dass sie für die BSR-Beschäftigten kaum noch zu bewegen sind. „Macht von mir aus zehn Säcke, das ist egal. Aber wenn die Säcke zu schwer sind, kann ich sie nicht anheben“, sagte Heike Klaus. Die Mitglieder der AG sagten eine Änderung zu.
Auch aus dem Publikum kamen zahlreiche Sachfragen:
- Was ist „Waste Watching“?
- Warum gibt es in manchen Höfen Glascontainer und in anderen nicht?
- Warum ist Mitte-Mitte sauberer als Wedding?
- Warum bleibt nach dem Abbau von Baustellen häufig Müll liegen?
Detailliert wurden diese und viele weitere Fragen beantwortet. Dabei wurden oft auch komplizierte Zuständigkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen deutlich. Und trotzdem gab es immer wieder auch Momente, die Hoffnung gaben. Eine Frau aus dem Publikum berichtete so von einer eigenen Erfahrung. Bei einer Aktion hatte sie Baumscheiben bepflanzt und dabei die Gewerbetreibenden aus der Umgebung einbezogen. Sie wirbt nun dafür, diesen Weg ebenfalls zu versuchen. Ihr Ergebnis: „Die Gastronomen gießen die Blumen und sie kümmern sich auch um den Müll.“
Ehrenamt soll nicht dauerhaft nötig sein
„Wir wollen mit diesen Gesprächen das gegenseitige Verständnis stärken und gemeinsam nach Lösungen suchen“, hatte Philipp Conce-Roos zu Beginn der Runde formuliert. Auch Marcus Baur von der BSR hob die Bedeutung des Austauschs hervor. So lobte er auch Bezirksstadtrat Schriner dafür, dass er sich dem Thema stelle, bei der Gesprächsrunde dabei sei und gemeinsam mit den Beteiligten nach Lösungen suche. Das sei „nicht selbstverständlich“.
Gleichzeitig ging es um die Frage, welche Rolle die Ehrenamtlichen übernehmen können – und wo ihre Aufgabe endet. Auch die Zusammenarbeit von Bezirk, BSR und Initiativen ist im Sprengelkiez schon länger Thema. Conce-Roos berichtete von den regelmäßigen Meldungen illegaler Müllablagerungen an das Ordnungsamt. Alle zwei Wochen meldet er nach eigenen Angaben 40 bis 60 Orte im Sprengelkiez, an denen illegal Sperrmüll abgestellt wurde.

Auch die zweiwöchentlichen Cleanups selbst sind ein erheblicher ehrenamtlicher Einsatz. Dass dies keine dauerhafte Lösung sein soll, formulierte Conce-Roos deutlich: „Es ist nicht so gedacht, dass wir das dauerhaft machen. Unser Ziel ist es, unser Engagement überflüssig zu machen – Sie können ja dann weitermachen.“ Mit „Sie“ meinte er BSR und Ordnungsamt. Bis dahin sei es trotz einiger Verbesserungen aber noch „ein Stück Weg“.
Viele kleine Ideen gegen den Müll
Nach dem offiziellen Ende des Talks war die Diskussion noch nicht vorbei. Vier Menschen blieben und sprachen mit Stadtrat Schriner weiter über pragmatische Lösungen, unter anderem bei Pfandsystemen und Mehrweg. Er war überzeugt: „Es braucht sehr verschiedene Lösungen für verschiedene Müll-Probleme“.
Genau das ist typisch für die Zusammenarbeit von Bezirksamt, BSR und AG Sauberer Sprengelkiez und auch ein Kennzeichen der Gesprächsrunden. Eine große Lösung für das Müllproblem im Sprengelkiez gibt es nicht. Dafür viele kleine Ideen – und einen weiteren Versuch, darüber miteinander im Gespräch zu bleiben.
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Das Engagement geht weiter. Im Beitrag „Berlin-Wahl 2026: Wie wollen die Parteien unsere Kieze sauber bekommen?“ hat die AG Saubererer Sprengelkiez Parteien zu ihren Strategien gegen das Müll-Problem im Bezirk befragt.

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