Drogeriekette Müller verlässt die Müllerstraße

Die Drogeriekette Müller verlässt zum Januar 2026 die Müllerstraße. Doch auch wenn dieses Geschäft geht, soll bereits ein neuer Händler für die Müllerstraße 52 in den Startlöchern stehen.

Die Filiale der Drogeriekette Müller in der Müllerstraße. Foto: Hensel
Die Filiale der Drogeriekette Müller in der Müllerstraße. Foto: Hensel

Müller geht. Doch wird – aller Wahrscheinlichkeit nach – wieder ein Geschäft in das Gebäude einziehen. Eine Pressesprecherin der Drogeriekette sagt: Die Müller Holding habe entschieden, „die Immobilie nach einer Anfrage zu veräußern und die Fläche an einen neuen Einzelhändler zu übergeben.“ Der Abschluss des Kaufvertrages stehe kurz bevor. Seit 1998 befindet sich in dem Gebäude in der Müllerstraße 52 Müller-Filiale. „Wir freuen uns, einen Kaufinteressenten gefunden zu haben, der das hohe Entwicklungspotenzial an diesem Standort nachhaltig weiterentwickeln wird“, sagt die Pressesprecherin. Man darf gespannt sein, welcher Händler sein Glück auf der Müllerstraße versucht.

In Berlin ist Müller mit lediglich sieben Filialen vertreten. Das ist beinahe wenig zu nennen, da die Kette auf ihrer Webseite vier Ansprechpartner benennt, die sich ausschließlich um die Expansion des Filialnetzes kümmern. In Europa inklusive Deutschland hat Müller aktuell fast 1000 Filialen. In Deutschland liegt Müller gemessen am Umsatz nach dm und Rossmann auf Platz drei (wobei der Abstand zu beiden Marktführern groß ist).

Die Existenz des Expansionsteams zeigt, dass der 93-jährige Erwin Franz Müller offenbar nicht ans Pausieren denkt. Der Unternehmensgründer, der weiterhin Geschäftsführer ist, will offenkundig, dass seine Drogeriekette trotz des Verkaufs der Müllerstraße 52 wächst. Doch auf der Müllerstraße geben die Konkurrenten Rossmann und dm den Ton an. Beide Ketten betreiben hier mehrere Filialen. Kurzzeitig hatte die Hamburger Kette Budni versucht, Fuß zu fassen und am Bahnhof Wedding ein Geschäft eröffnet.

Das Haus Müllerstraße 52 ist kein gewöhnliches Geschäftshaus, sondern wirkt wie ein kleines Kaufhaus. Ältere Menschen erinnern sich an das Berliner Urgestein Willi Ebbinghaus. Der umtriebige Unternehmer und zeitweise größte Modehändler Westberlins hatte hier Textilien, Klamotten und Anziehsachen verkauft.

Die Filiale der Drogeriekette Müller in der Müllerstraße. Foto: Hensel
Die Filiale der Drogeriekette Müller in der Müllerstraße. Foto: Hensel

Nach Informationen der Berliner Morgenpost schließt der Handelskonzern die Filiale in der Müllerstraße zum Januar 2026 auch aus Umsatzgründen. Die Schließung „beruht auf einer sorgfältigen betriebswirtschaftlichen Bewertung, bei der insbesondere die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die veränderten Rahmenbedingungen im lokalen Einzelhandel eine Rolle gespielt haben“, sagte die Pressesprecherin von Müller der Berliner Morgenpost.

Auf solche Worte springt der erlernte Reflex der Weddinger an: Wenn ein Geschäft die Müllerstraße verlässt, dann ist es ein Zeichen für den Bedeutungsverlust der einst wichtigen Einkaufsstraße. Trading down sagen die Liebhaber von Fremdworten. Die Müllerstraße war zwar niemals vergleichbar mit dem Ku’damm, zog aber mit großen Einkaufshäusern wie Karstadt in der Müllerstraße 25, C & A in der Müllerstraße 35 oder Bilka in der Müllerstraße 141 zahlreiche Kaufwillige an; ein Magnet im Berliner Norden. Heute sorgt bereits das Ende einer Drogerie für Erschrecken. Bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr ein die Einkaufsmeile belebender Nachfolger in der Müllerstraße 52 aktiv wird.

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Kommentare

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Morjen

    der Reflex hat auch seinen Grund … es gibt kein Schuhgeschäft mehr auf der Müller, das nächste und einzige ist 200 in der Scharnweber (vom Kutschi gesehen), Optiker nur noch ein Geschäft – Jeansladen fehlt, wer Klamotten und Anziehsachen benötigt muss nach Tegel oder GesundbrunnenCenter oder richtung Turmstr, ansonsten bleibt nur Adler im Clou, es gibt nur noch Döner, Barbershops, Spätis etcpp im Dutzend….

    Wat is en eijentlich der unterschied zwischen Klamotten und Anziehsachen!!?? :))

    nette Woche noch

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Der ganze Einzelhandel ist ja umgekrempelt worden, überall, nicht nur in der Müller. Danke Center, danke Internet und danke an alle, die darin irgendeinen Vorteil erkennen konnten oder können und die Armada von Paketboten auf uns losgelassen haben. Offenbar wollen die Menschen den Wandel, aber nicht die Konsequenzen. Eine schöne Ambivalenz. Dit kriegste nich bei Amazon.

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