Rossmann eröffnet Filiale in der Brunnenstraße 64

Die Gewerbefläche in der Brunnenstraße 64 wird derzeit umgebaut. Hinter den mit Folien verhangenen Fenstern ist noch nicht zu sehen, was hier entsteht. Doch inzwischen ist klar: in der zweiten Jahreshälfte wird an dieser Adresse die Drogeriemarktkette Rossmann eine Filiale eröffnen. Für die Brunnenstraße und das Brunnenviertel ist das eine bemerkenswerte Entwicklung.

Die Fenster in der Brunnenstraße 64 sind verhängt. Hier wird alles für den Einzug Rossmann vorbereitet. Foto: Hensel
Die Fenster in der Brunnenstraße 64 sind verhängt. Hier wird alles für den Einzug Rossmann vorbereitet. Foto: Hensel

Rossmann bestätigt Eröffnung

Wie das Unternehmen Rossmann auf Nachfrage des Brunnenmagazins mitteilt, ist die Eröffnung des Drogeriemarktes eher zum Jahresende geplant. „Der Mietvertrag für den Standort Brunnenstraße ist abgeschlossen und aktuell finden bereits Bauarbeiten auf der Fläche statt – diese sind von außen jedoch noch nicht erkennbar“, antwortet eine Sprecherin des Unternehmens.

Vermieterin der Gewerbefläche ist das städtische Wohnungsunternehmen degewo. Rossmann erweitert damit sein Filialnetzwerk. „Wir sehen mit dem neuen Standort keine Überschneidung im Einzugsgebiet, sondern vielmehr eine optimale Ergänzung unseres Filialangebots“, heißt es auf Nachfrage. Die nächste Außenstelle der Drogerie befindet sich im Gesundbrunnen Center.

Hintergrund zur Immobilie

Das städtische Wohnungsunternehmen degewo saniert seit einiger Zeit Stück für Stück die Häuser in der Brunnenstraße zwischen Demminer Straße und Bernauer Straße. Im Zuge dieser Sanierung ist der bisherige Mieter in der Brunnenstraße 64, ein Coworking-Anbieter, ausgezogen. Nun ist klar, dass nach dem Umbau eine andere Nutzung vorgesehen ist. Wie das Bezirksamt Mitte mitteilt, wurde eine Nutzungsänderung beantragt, die Baugenehmigung dafür wurde am 3. April 2025 erteilt. „Der Baubeginn wurde am 16.12.2025 angezeigt“, heißt es auf dem Bezirksamt.

Historischer Kontext der Brunnenstraße

Für das Brunnenviertel ist die Aussicht auf den neuen Mieter in der Brunnenstraße 64 von Bedeutung, denn der nördliche Teil der Straße hat schon lange mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Dabei fing alles sehr positiv an: Die Brunnenstraße war einst eine wichtige Einkaufsstraße im Norden Berlins – mit einem Held-Kaufhaus (später Hertie), vielen Kinos und kleinen Geschäften.

Dann kam ein tiefer Einschnitt: Mit dem Mauerbau wurde die Straße in zwei Teile zerschnitten – damit begann auch der Niedergang der Einkaufsstraße, weil viele Kund:innen aus dem Ostteil der Stadt wegblieben. Mit der Flächensanierung (Kahlschlagsanierung) zogen die Bewohner:innen des umliegenden Kiezes weg und die Nachfrage sank weiter. Viele Geschäfte schlossen, das einstige Hertie-Kaufhaus an der Ecke Stralsunder Straße und Brunnenstraße wurde 2015 schließlich sogar abgerissen.

Das Kaufhaus Held in der den 1970er Jahren. Foto: Sammlung Ralf Schmiedecke
Das Kaufhaus Held in der den 1970er Jahren – schräg gegenüber der Brunnenstraße 64. Foto: Sammlung Ralf Schmiedecke

Geschichte der Gewerbefläche

Auch die Gewerbefläche in der Brunnenstraße 64 hat bewegte Zeiten hinter sich. Alte Adressbücher verzeichnen 1950/51 eine typische Nutzung für die Gegend. Ansässig war zum Beispiel das „Spezialgeschäft für Schokoladen und Pralinen Hildebrand“. Später stand die Fläche leer.

Die degewo setzte in den Jahren um 2010 auf ihr Modekonzept, wollte in und um die Nummer 64 Designer, Modemacher und andere Kreativschaffende ansiedeln. Vor diesem Hintergrund fand hier 2013 zweimal der noch junge Weddingmarkt statt, der heute auf dem Leopoldplatz angesiedelt ist. Auch Dioroma, ein Nebenprojekt der heutigen Weddingmarkt-Betreiberin Sabrina Pützer, hat 2013 und 2014 eine Mischung aus Kunstmarkt und Workshops in die Räume gebracht.

Weddingmarkt im März 2013 in der Brunnenstraße 64. Foto: Hensel
Weddingmarkt im März 2013 in der Brunnenstraße 64. Foto: Hensel

Coworking-Zeit und Supermarkt

Hauptmieter war in dieser Zeit der sogenannte Supermarkt, der jedoch kein Einkaufsmarkt war. Hier wurde ab 2011 vielmehr das damals noch neue Coworking ausprobiert und Ideen für neue Arbeitsformen diskutiert. Seinen Namen hat das kreative Projekt nach eigener Aussage gewählt, weil in den Räumen früher ein „Maier’s Supermarkt“ war (eventuell auch ein „Meyer’s Supermarkt“). Dafür gibt es aber keine tatsächlichen Belege. 2014 gab es hier kurz die LifeThek, eine Art Leihladen-Startup. Coworking blieb nach dem Auszug des Supermarkts 2015 weiterhin die Form der Nutzung. Die „Unicorn Workspaces“ vermieteten Arbeitsplätze und Fläche für Firmenveranstaltungen. Damit ist nun Schluss.

Der Supermarkt in der Brunnenstraße 64 im Jahr 2013. Foto: Hensel
Der Supermarkt in der Brunnenstraße 64 im Jahr 2013. Foto: Hensel

Neues Kapitel mit Rossmann

Nun bricht für den Standort Brunnenstraße 64 mit dem Einzug von Rossmann ein neues Kapitel an. Kein weiterer gastronomischer Betrieb, kein Spielcasino und kein Designmarkt wie zu Zeiten des Modekonzepts – sondern ein Händler für Dinge des täglichen Bedarfs. Für die Gewerbemischung in der nördlichen Brunnenstraße könnte das ein positives Signal sein.

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Kommentare

  1. Avatar von Rolf

    An das „Modekonzept“ in der Brunnenstraße erinnere ich mich noch gut. Da schwappte viel Prenzlauer-Berg-Kreativität tapfer in den grauen Beton und sah etwas verloren aus.
    Zu Held und Hertie: Zuerst Held, dann Hertie, so las ich es in eurem Beitrag von 2019.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Du hast Recht mit den H-Warenhäusern. Ich korrigiere.

      Das Modekonzept war die Idee, die Kreativen vom Hackeschen Markt in den Wedding zu verlängern. Die wollten sich nur nicht verlängern lassen und ich denke, sie sind da auch gut, wo sie sind. Ich bin gespannt auf die neue Ära mit der Drogerie.

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