Seit Jahren kämpft eine Initiative für die Wiedereröffnung des Parkcafés Rehberge. Nun gibt es einen wichtigen Fortschritt: Die Baugenehmigung wurde erteilt. Diese Nachricht verkündeten die Bezirksstadträte Ephraim Gothe und Christopher Schriner bei ihrem Kiezspaziergang durchs Afrikanische Viertel, bei dem auch Müll, Straßenbeete und Wohnungsbau diskutiert wurden.

Wo ist eigentlich das Parkviertel?
Zwei Stunden, zwei Stadträte, ein Kiez: Das ist das Konzept der Stadtteilbegehungen mit Ephraim Gothe und Christopher Schriner. Am Donnerstag, den 4. Juni, waren die beiden Politiker im Parkviertel unterwegs. Rund 40 Nachbarinnen und Nachbarn begleiteten sie auf der von Stadtteilkoordinatorin Birte Führing organisierten Tour durch das Afrikanische Viertel.
„Das ist hier doch nicht das Parkviertel, das ist das Afrikanische Viertel“, sagte eine Frau beim Kiezspaziergang verwundert. Tatsächlich bezeichnet „Parkviertel“ eine größere Bezirksregion. Zu ihr gehören neben dem Afrikanischen Viertel unter anderem auch das Englische Viertel und der Bereich bis zum Plötzensee, erklärte Birte Führing.

Beete für alle: Gärtnern an der Seestraße
Der Spaziergang startete an den Straßenbeeten in der Seestraße 99–104. Hier konnten die Spaziergängerinnen und Spaziergänger etwas übers Gärtnern im öffentlichen Raum erfahren. Günter Fuchs, beim Bezirk für Straßenbeete & Co. zuständig, gab einen Einblick in die Idee des gemeinschaftlichen Gärtnerns von Anwohnenden – und in die Hürden, die dabei bestehen. So versuche das Bezirksamt schon länger, interessierten Personen zu ermöglichen, in den fünf Beeten selbst aktiv werden zu können. Doch vor allem seien es Baustellen in der Straße, die die Bemühungen verzögern würden.
Gute Nachrichten hatte Günter Fuchs auch dabei: Nach Beendigung der Baustellen wolle der Bezirk die Beete wieder herrichten, damit Beetpatinnen und Beetpaten dann die Pflege übernehmen können. Wie es aussehen könnte, wenn die Beete in Bürgerhand gepflegt werden, konnte die Spaziergangsgruppe an einem Beet nahe der Togostraße sehen. Es ist das schönste der fünf Beete, einheimische Pflanzen stehen hier gerade in voller Blüte und erfreuen Passant:innen.

Neue Kieztafel in der Togostraße
An der Ecke Togostraße und Kameruner Straße stoppte die Runde ein zweites Mal. Hier hat die Stadtteilkoordination erst vor einer Woche eine Kieztafel aufgestellt. An der Infotafel hängen bereits Flyer und Plakate, etwa für die Fête de la Musique im Centre Français und im Schillerpark, Hinweise auf Sommerkonzerte und ein Aufkleber für die Kampagne zur Rettung der Fischerpinte. „Alles, was nicht kommerziell ist, darf an die Kieztafel dran“, erklärte Stadtteilkoordinatorin Birte Führing. Nur Aufkleber seien eigentlich nicht erwünscht.
Noch kümmert sich Birte Führing selbst um die Pflege der Tafel. Langfristig sollen jedoch Nachbar:innen diese Aufgabe übernehmen. Wer Interesse hat, findet die Kontaktdaten der Stadtteilkoordination direkt vor Ort.
Bevor es weiterging, nutzte das Büro für Bürgerbeteiligung die Gelegenheit für eine kurze Kennenlernrunde. Die Teilnehmenden sollten mit jemandem ins Gespräch kommen, den sie bisher noch nicht kannten. Für einige Minuten entstanden so überall kleine Zweiergespräche – eine lockere Unterbrechung des Rundgangs und eine Gelegenheit, neue Kontakte im Kiez zu knüpfen.

Eine Station rund um das Thema Müll
Der nächste Stopp galt dem Thema Sauberkeit im Kiez. Zu Wort kamen Mitglieder der vor einem Jahr gegründeten Aufräumgruppe. Deren Aktionen finden immer am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr statt. Treffpunkt ist immer vor dem Stadtteilzentrum „Zukunftshaus Wedding“ in der Müllerstraße 56–58. Jeden Monat wählt die Gruppe eine Straße im Afrikanischen Viertel aus. Die nächste Aktion findet am 14. Juni in der Kameruner Straße statt (mehr Cleanup-Termine).
Das Thema Müll nahm beim Kiezspaziergang im Sprengelkiez vor Kurzem einen sehr großen Raum ein. Nachgelesen werden kann das im Beitrag „Müll, Baustellen, Parkpläne: Fragen aus dem Sprengelkiez“. Doch auch dieses Mal begann genau bei dieser Thematik die Diskussion. Es ging um bekannte Dreckecken wie am Dohnagestell (und in der Gustav-Meyer-Allee), um mehr Kontrollen und mehr Bußgelder.

Warum es keine Videoüberwachung gibt
Ein Teilnehmer fragte, warum es keine Videoüberwachung am Dohnagestell gibt. „Die derzeitige Rechtslage ist eindeutig. Videoüberwachung ist nur an kriminalitätsbelasteten Orten möglich, das Dohnagestell ist keiner“, erklärte Bezirksstadtrat Christopher Schriner. Er kündigte an, dass der Bezirk sich in Kürze mit dem Thema beschäftigen werde, ohne konkreter zu werden. Videoüberwachung werde es aber nicht sein.
Zwei positive Nachrichten hatten die beiden Stadträte beim Thema Müll dabei. Christopher Schriner verwies auf eine erst vor zwei Wochen geänderte Richtlinie zu Schrottfahrrädern. Nicht betriebsbereite Schrotträder dürfe das Ordnungsamt jetzt direkt entfernen – ohne vorherige gelbe Hinweiszettel und ohne Wartefrist. Mehr dazu steht in der Meldung „Bezirk entfernt Schrottfahrräder jetzt schneller“ in den Wedding-Nachrichten. Die gute Nachricht, die Bezirksstadtrat Ephraim Gothe beisteuerte, war ganz anderer Natur. „Das mit den Hundehaufen ist besser geworden. Es hat offenbar ein Umdenken stattgefunden. Vielleicht braucht es beim Sperrmüll auch ein Umdenken“, merkte der Stadtrat an.


Alle sind fürs Parkcafé Rehberge
Einen Regenschauer später standen die Teilnehmenden an der letzten Station des Kiezspaziergangs. Der Abschluss fand wegen des Wetters nicht am Parkcafé Rehberge, sondern im Gebäude statt. Das war eine Besonderheit für viele, denn der Raum ist sonst verschlossen und dient dem Verein Parkcafé Rehberge e.V. nur als Lager. Im Halbdunkel konnten die Teilnehmenden den Sanierungsbedarf an dem Gebäude selbst erahnen.
Das Parkcafé Rehberge ist seit 2014 geschlossen. Damals war der Pächter überraschend gestorben. Seit fünf Jahren bemüht sich eine Gruppe von Menschen um die Reaktivierung. Das neue Parkcafé soll ein nichtkommerzieller Treffpunkt für die Nachbarschaft, ein Jugendtreff und Ort für Veranstaltungen werden.

Ein langer Prozess
„Seit fünf Jahren strengen wir uns ganz doll an, um das zu realisieren“, erklärte Christel Björkman vom Vereinsvorstand den Anwesenden. In ihrer Stimme schwang auch ein wenig Ungeduld mit. Von außen betrachtet kommt der Prozess auch kaum voran. Bereits seit 2023 hat die Initiative eine Zusage von der Lotto-Stiftung für den Umbau, damals fehlten eine Baugenehmigung und eine vertragliche Regelung zur Nutzung des bezirklichen Gebäudes. Mehr dazu steht im Beitrag „Mit langem Atem fürs Parkcafé Rehberge“.
Schaut man auf die Reaktionen und Wortmeldungen der Teilnehmenden des Kiezspaziergangs, könnte man sagen: Die Reaktivierung des Parkcafés Rehberge ist eine Art Herzenswunsch aller. Doch der Weg dahin ist trotz parteiübergreifender Einigkeit kompliziert und langwierig. Bezirksstadtrat Ephraim Gothe konnte verkünden, dass es im Hintergrund doch vorangegangen ist.

Baugenehmigung ist erteilt
„Anfang Mai ist die Baugenehmigung erteilt worden – inklusive der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung“, sagte der Stadtrat. Damit ein Nutzungsvertrag abgeschlossen werden kann, müsse nun noch eine Einigung mit dem Finanzsenator getroffen werden. „Nach einer Wertermittlung müsste der Bezirk eigentlich eine Erbpacht von 5700 Euro im Jahr erheben. Wir wollen eine Ausnahme machen, brauchen dafür aber die Genehmigung der Finanzverwaltung“, erklärte Christopher Schriner.
Im Interessenbekundungsverfahren für die Vergabe des Parkcafé-Betriebs war ursprünglich von einer Erbpacht von einem Euro pro Jahr ausgegangen worden – jedoch nur, wenn keine öffentlichen Mittel fließen. Das sei laut Schriner mit einer Zuwendung der Lotto-Stiftung aber der Fall. Die Aktiven vom Parkcafé argumentieren, dass die Fördermittel nicht in den späteren Betrieb, sondern lediglich in den Umbau fließen. Damit sehen sie die Bedingung für einen 1-Euro-Pachtvertrag weiterhin als erfüllt an.
Der Bezirksstadtrat glaubt an eine schnelle Lösung: „Parteiübergreifend wollen alle dieses Projekt. Ich bin zuversichtlich, dass das noch in dieser Legislatur klappt.“
Noch mehr Kiezthemen
Neben den durch die Stationen vorgegebenen Themen kamen in den zwei Stunden mit den zwei Stadträten weitere zur Sprache. Ein Mann nutzte die Gelegenheit, seinem Ärger über weggefallene Parkplätze an den Kleingartenanlagen am Plötzensee Luft zu machen.
Bezirksstadtrat Ephraim Gothe wies vor einem Neubau auf der Strecke auf den aktuellen Wohnungsbau im Bezirk hin. So befänden sich aktuell 2500 neue Wohnungen im Bau, 7500 weitere seien in Planung. „Man braucht nicht immer große Flächen, es gibt auch so noch Potenzial für Wohnungsbau“, sagte der Stadtrat am Rand des Kiezspaziergangs. Auch die Idee, hinter dem Rathaus Wedding – heute ist das der Genter Wochenmarkt – Wohnungen zu bauen, bleibe weiter auf der Agenda.
Noch mehr Kiezspaziergänge
Der Kiezspaziergang im Parkviertel war der zweite mit den beiden Stadträten in diesem Jahr. Zwei weitere sind noch geplant: am 29. Juni in Moabit-Ost und am 3. September an der Osloer Straße.

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