Müll, Baustellen, Parkpläne: Fragen aus dem Sprengelkiez

Welche Themen im Sprengelkiez sind Stadtgespräch? Der Müll im Kiez, die unfertige Baustelle am Kinderbauernhof, die Erweiterung des Sprengelparks – oder doch etwas anderes? Beim Kiezspaziergang der Stadtteilkoordination Wedding-Zentrum wurde das am gestrigen Nachmittag deutlich: Fast 50 Weddingerinnen und Weddinger nutzten die Gelegenheit, den beiden Stadträten Ephraim Gothe und Christopher Schriner ihre Fragen zu stellen.

Fast 50 Menschen kamen zum Kiezspaziergang im Sprengelkiez. Foto: Hensel
Fast 50 Menschen kamen zum Kiezspaziergang im Sprengelkiez. Foto: Hensel

Die Stadtteilkoordinatorin Eileen Scheier hatte mit ihrer Route den inhaltlichen Rahmen gesetzt. Die Gruppe startete am Kinderbunten Bauernhof, ging weiter zum Parkhaus in der Triftstraße und besuchte anschließend den Sprengelpark sowie die Tegeler Straße. An jeder Station gaben die beiden Stadträte aktuelle Informationen zu Bauprojekten und Planungen – danach konnten die Teilnehmenden Fragen stellen und eigene Anliegen einbringen. Davon wurde ausführlich Gebrauch gemacht.

Kinderbunter Bauernhof: Fertigstellung weiter offen

Am Kinderbunten Bauernhof stand schnell die Frage im Raum, die viele Anwesende umtrieb: Wann wird der Um- und Neubau endlich fertig? Die Bauarbeiten hatten 2023 begonnen, die Planungen liefen jedoch bereits seit 2019. Bei Baustart war die Fertigstellung für 2024 angekündigt worden – doch noch immer ist der Umbau der rund 40 Jahre alten Einrichtung nicht abgeschlossen.

Eine klare Antwort auf den Fertigstellungstermin bekamen die Teilnehmenden des Spaziergangs nicht – zumindest nicht von den beiden anwesenden Stadträten. Der Umbau fällt weder in das Ressort von Stadtrat Schriner (öffentlicher Raum) noch in das von Stadtrat Gothe (Stadtentwicklung), sondern wird federführend vom Jugendamt verantwortet.

Die 1. Station des Kiezspaziergangs, der Kinderbunte Bauernhof in der Luxemburger Straße. Foto: Hensel
Die 1. Station des Kiezspaziergangs, der Kinderbunte Bauernhof in der Luxemburger Straße. Foto: Hensel

Auch Markus Stieg vom Kinderbauernhof konnte keinen konkreten Zeitpunkt nennen, äußerte aber eine vorsichtige Hoffnung: „Wir freuen uns, wenn das Haus nun dieses Jahr fertig wird. Dann können auch die Tiere wieder aus dem Ausweichquartier in Oranienburg zurückkehren.“ Stieg gab der Gruppe zudem einen Einblick in die Arbeit des Kinderbauernhofs: Dort wird tiergestützte Pädagogik für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren angeboten, täglich nehmen bis zu 60 Kinder an den Angeboten teil.

Aus der Gruppe kam außerdem die Frage, warum Ausschreibungsverfahren bei öffentlichen Bauprojekten so kompliziert seien, dass es immer wieder zu erheblichen Verzögerungen komme. Stadtrat Gothe (SPD) antwortete: „Weil man will, dass nicht nur große Generalunternehmer zum Zuge kommen. Man will, dass auch kleine Betriebe partizipieren können.“

Bezirksstadtrat Ephraim Gothe am Mikrofon an der Station im Kinderbunten Bauernhof. Foto: Hensel
Bezirksstadtrat Ephraim Gothe am Mikrofon an der Station im Kinderbunten Bauernhof. Foto: Hensel

Parkhaus Tegeler Straße: Abriss geplant, Kosten ungeklärt

An der zweiten Station, dem Parkhaus in der Tegeler Straße, erläuterten die Stadträte den aktuellen Stand. Das Parkhaus soll abgerissen und das Grundstück anschließend geteilt werden. Ein Teil bleibt als Reservefläche für die Berliner Hochschule für Technik unangetastet, auf dem anderen Teil sollen Wohnungen entstehen. Laut Stadtrat Gothe ist allerdings bisher ungeklärt, wer die Abrisskosten für das Parkhaus übernehmen wird.

Zum Parkhaus selbst gab es nur wenige Nachfragen. Dafür wurden andere Themen angesprochen, die viele im Alltag beschäftigen: Warum wird nicht mehr gegen Müll im öffentlichen Raum unternommen? Was soll mit dem leerstehenden Karstadt am Leopoldplatz geschehen? Und wo in Mitte können Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer mit ihren Tieren spazieren gehen? Stadtrat Schriner (Grüne) verwies beim Thema Hundeauslauf auf fehlende Flächen: „Hundeauslaufflächen sind ja mehrere Hektar groß. Das ist in Mitte schwierig und wäre nur im Tiergarten oder in den Rehbergen möglich.“ Große Hoffnung auf eine baldige Verbesserung machte er den Hundebesitzenden nicht.

Sprengelpark: Erweiterung bis ans Wasser geplant

An der nächsten Station, dem Sprengelpark, rollte Stadtrat Schriner ein Plakat mit den aktuellen Planungen aus. Geplant ist eine Erweiterung der Grünfläche bis an den Kanal – bis ans Wasser. Dazu gehören Entsiegelung, der Abriss einer Tischlerei, ein neuer Bolzplatz und eine Fahrradstraße. Die geplante Maßnahme bringt also ein ganzes Paket an Veränderungen mit sich. Mehr dazu steht im Beitrag „Der Sprengelpark wird größer“.

Hier meldeten sich unter anderem Aktive aus der AG Sauberer Sprengelkiez zu Wort. Sie gaben Stadtrat Schriner den Wunsch mit, bei der Umgestaltung der Fläche auch ausreichend Mülleimer einzuplanen. Eine weitere Wortmeldung ergänzte das mit dem Vorschlag, spezielle Ständer für Pfandflaschen zu integrieren oder sogenannte Pfandinseln einzurichten. Stadtrat Schriner verwies in diesem Zusammenhang auf ein aktuelles Projekt der Berliner Hochschule für Technik, das am Nordufer an einem „intelligenten Mülleimer“ arbeite.

Nächste Station: Hier geht es um die Erweiterung des Sprengelparks bis ans Wasser. Foto: Hensel
Nächste Station: Hier geht es um die Erweiterung des Sprengelparks bis ans Wasser. Foto: Hensel
Hier wird der Plan für die Erweiterung des Sprengelparks bis ans Wasser gezeigt. Foto: Hensel
Hier wird der Plan für die Erweiterung des Sprengelparks bis ans Wasser gezeigt. Foto: Hensel

Tegeler Straße/Lynarstraße: Freifläche noch ohne Entscheidung

An der Ecke Tegeler Straße und Lynarstraße machte die Gruppe ebenfalls Halt. Hier ging es um die Fläche neben der Bahntrasse. „Wir bekommen die Grünanlage zurück. Von Grünfläche über Spielplatz, von Skateranlage bis Hundeauslauffläche ist schon alles vorgeschlagen worden“, sagte Stadtrat Schriner. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

Stadtrat Gothe stellte zudem in Aussicht, dass auf der Freifläche an der Ecke Lynar- und Tegeler Straße auch ein Gebäude errichtet werden könnte. „Es gibt Planungen für eine Kita auf zwei Geschossen, darüber vier oder fünf Geschosse mit Wohnungen“, sagte Gothe.

Aus der Gruppe folgten Nachfragen zum aktuellen Kitaplatzüberschuss, zur Bevölkerungsentwicklung und dazu, wie der Bezirk auf Veränderungen reagiert. Stadtrat Gothe versicherte, der Bezirk habe diese Entwicklungen im Blick: „Wir wollen nicht am Bedarf vorbei bauen.“ Sein Kollege Schriner ergänzte, dass der Bezirk stärker auf mehrfach nutzbare Infrastruktur setze. „Und eine Kita kann ja später auch anders genutzt werden“, sagte er. Die Frage aus dem Kiez zielte darauf ab, dass möglicherweise mehr Räume für die Nachbarschaft benötigt werden.

Bayer-Planungen und Fischerpinte als weiteres Thema

Kurz ging Stadtrat Gothe außerdem auf die Baupläne der Bayer AG ein. Das Unternehmen wolle auf seinem Grundstück eine neue Betriebsfeuerwehr errichten und dafür perspektivisch Wohnhäuser abreißen. Insbesondere der mögliche Abriss war in der Vergangenheit kritisiert worden – beim Kiezspaziergang gab es dazu jedoch keine Wortmeldungen.

Dafür kam ein anderes Thema zur Sprache, das derzeit intensiv diskutiert wird, jedoch nicht im Sprengelkiez liegt: die Fischerpinte am Plötzensee. Der Bootsverleih mit Gastronomie ist nach dem Tod des Pächters geschlossen, die Zukunft ist unklar. Mehrere Anwesende drängten auf einen Erhalt und fragten Stadtrat Schriner nach dem weiteren Zeitplan. Schriner nahm ausführlich Stellung und vertrat seine Position, die auch im Beitrag „Fischerpinte am Plötzensee zwischen Rückbau und Erhalt“ dargestellt ist. Kurz gesagt: Bevor das Nachlassgericht keinen Erben gefunden hat, könne er nicht handeln.

Bezirksstadtrat Christopher Schriner beantwortet eine Frage, links daneben steht sein Kollege Ephraim Gothe. Foto: Hensel
Bezirksstadtrat Christopher Schriner beantwortet eine Frage, links daneben steht sein Kollege Ephraim Gothe. Foto: Hensel

Viele Gespräche am Wegesrand – und ein früheres Ende

Zwischen den Stationen nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, die Stadträte direkt anzusprechen. Sie erzählten von eigenen Projekten, schilderten ihre Perspektiven auf Entwicklungen im Stadtteil oder brachten zusätzliche Themen ein. Das direkte Gespräch mit den Bezirkspolitikern wurde intensiv gesucht – auch wenn nicht alle Anliegen im Sprengelkiez angesiedelt waren oder zu den Stationen passten.

Für den Kiezspaziergang waren zwei Stunden im Kalender der beiden Stadträte reserviert. Weil es so viele Fragen gab, schaffte es die Gruppe jedoch nicht mehr zu allen geplanten Stationen. Die Bauprojekte rund um den S-Bahnhof Wedding wurden nur kurz angerissen, und ins Büro der Stadtteilvertretung Mensch.Müller ging am Ende nur noch eine Handvoll Teilnehmender mit. Die Stadträte waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zu ihren nächsten Terminen.

Der Kiezspaziergang mit den Stadträten war Teil der Aktion „Spaziergangsmonat“. Mehr über bewegungsbetonte, ökologische und andere Spaziergänge in diesem Rahmen steht im Beitrag „Frühling in Bewegung: Spaziergangsmonat Mai“.

Die nächsten Kiezspaziergänge mit den Stadträten

Die nächsten Kiezspaziergänge mit den Stadträten Ephraim Gothe und Christopher Schriner im Wedding und Gesundbrunnen sind bereits geplant:

  • 4.6., 15.30–17.30 Uhr: Kiezspaziergang Parkviertel, Treffpunkt: Beete in der Seestraße 99-104
  • 29.6., 15–17 Uhr: Kiezspaziergang Moabit Ost
  • 3.9., 16–18 Uhr: Kiezspaziergang Osloer Straße

Die Treffpunkte sind noch nicht veröffentlicht. Sobald sie bekannt sind, werden sie hier ergänzt.

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