Wer vom Brunnenviertel aus die Bernauer Straße Richtung Mauerpark läuft, kennt sie: die 40 massiven Poller, die den Parkeingang sichern. Anti-Terror-Poller, 110 Zentimeter hoch, aufgestellt zum Schutz vor Gefahr – Sperren aus Stahl an einem Ort, der wie kaum ein anderer für das Überwinden von Grenzen steht. Genau diesen Widerspruch nimmt das Kunstprojekt „PollerUp!“ beim Wort. Seit dem Frühlingsanfang am 20. März verwandeln fünf Künstlerinnen und Künstler die abweisenden Barrieren in kleine Bühnen.

Die Idee ist einfach und charmant: Auf die Poller kommen skulpturale Objekte – ohne Befestigung, auf weiße Modellbau-Sockel gestellt, temporär, für ein paar Stunden. Viele der oft farbenfrohen, verspielten Arbeiten bestehen aus Alltagsgegenständen und Fundstücken, manche direkt aus dem Mauerpark aufgelesen. Weggeworfenes und Übersehenes bekommt ein neues Gesicht und erzählt vom Treiben ringsum: von Sport, Spiel und Fun, vom Chillen und Grillen, sogar vom Fußball.



Poesie im Alltäglichen
„all in“ heißt eine Arbeit von Silvia Lorenz – und das passt: Die Beteiligten, darunter Katharina Lüdicke, Daniela Gugg, Peter Müller und Initiator Wolfgang Krause, leben alle in der Nachbarschaft. Krauses Schaffen ist seit Jahren von der Suche nach Poesie im Alltäglichen geprägt und von der Lust, das Gewohnte zu verrücken.

Wo Grenzen zu Begegnungsorten wurden
Der Mauerpark gibt dem Projekt eine symbolische Tiefe. Wo heute gepicknickt und musiziert wird, verlief bis 1989 der Todesstreifen. Nach dem Mauerfall blieb eine Brache zwischen Wedding und Prenzlauer Berg – ein Niemandsland, das sich die Berlinerinnen und Berliner in den wilden Nachwendejahren Stück für Stück angeeignet haben: erst Trampelpfade und Baumpflanzungen, dann Flohmarkt und Karaoke.
Aus der Grenze wurde eine Nahtstelle, aus dem Ort der Trennung ein Ort der Begegnung: Mit Hand und Herz können aus Grenzen offene Räume entstehen. Dass nun ausgerechnet neue Barrieren – die Poller – zu Trägern von Kunst werden, führt diese Geschichte mit einem Augenzwinkern fort.

40 Poller, 40 Kunstwerke
„PollerUp!“ ist als Etappen-Projekt angelegt, wie ein Rennen mit Bergfest: Im August wurden rund 20 Werke gezeigt, ab Anfang Oktober sollen alle 40 Poller bespielt werden. Fotograf Thomas Adebahr hält die Objekte von ihrer schönsten Seite fest – nur bei voller Sonne, versteht sich. Marc Größer begleitet das Projekt mit Radiobeiträgen über den Park und seine Menschen. Eine gedruckte Publikation ist geplant, im Winter folgt eine Galerie-Ausstellung.




Kunst mit Patenschaft
Neben den Freunden des Mauerparks unterstützen viele Einzelpersonen das Kunstprojekt. Gegen einen kleinen Betrag können Patenschaften übernommen werden – und damit die Künstlerinnen und Künstler ganz direkt gefördert werden. Wer daran Interesse hat, kann sich telefonisch unter (030) 4 40 71 36 bei Wolfgang Krause melden.
Gut zu wissen
Die Künstlerinnen und Künstler sind mit ihrer wachsenden Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt nochmals vor Ort. Der Termin wird hier später ergänzt.
Die Jugendlichen vom Caiju e.V. haben das Projekt „Poller Up!“ unterstützt. Sie haben bei der Reinigung der Panik-Poller geholfen und die Künstlerinnen und Künstler bei der Aufsicht unterstützt.

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