Kleine Jobs, große Wirkung: Was hinter den Blitzjobs steckt

Helfende Hände werden im Kiez oft gebraucht. Ob beim Gärtnern auf dem Balkon, beim Einkauf, beim Auf- und Abbau oder bei der Betreuung eines Stands auf dem Kiezfest – für viele kleine Aufgaben können sogenannte Blitzjobbees eine praktische Unterstützung sein. Die Helferinnen und Helfer lassen sich unkompliziert buchen und sind vergleichsweise günstig. Hinter den Blitzjobs steckt jedoch keine Zeitarbeitsfirma, sondern ein außergewöhnliches Jugendprojekt.

Zwei Blitzjobbees beim BSR-Kieztag. Rechts: Ein Blitzjobbee am Essensstand des Weiterreich-Babyflohmarkts. Foto: Hensel
Zwei Blitzjobbees beim BSR-Kieztag. Rechts: Ein Blitzjobbee am Essensstand des Weiterreich-Babyflohmarkts. Foto: Hensel

Unterstützung bei Festen, Flohmärkten und im Alltag

Gebucht werden können die Helferinnen und Helfer in ganz Berlin. Im Brunnenviertel sind die Blitzjobbees derzeit jedoch besonders aktiv. So betreuten sie bereits mehrfach den Essensstand beim Weiterreich-Babyflohmarkt. Auch bei den Kieztagen der Berliner Stadtreinigung waren sie im Einsatz und transportierten sperrige Gegenstände mit dem Lastenrad aus Wohnungen zu den Sammelstellen.

Im Nachbarschaftsraum Waschküche bieten Blitzjobbees außerdem eine Handyhilfe an und unterstützen bei Problemen mit dem Smartphone. Dass die Blitzjobs im Brunnenviertel derzeit besonders präsent sind, liegt an einem vom Quartiersmanagement Brunnenstraße geförderten Jugendbeteiligungsprojekt, in das das Angebot eingebunden ist.

Mehr als ein Nebenjob

„Das ist keine Zeitarbeitsbörse, sondern Berufsorientierung und Arbeitsmarkterkundung“, stellt Nadine Kurz vom Caiju e. V. klar. Der anerkannte Berliner Träger der Jugendhilfe mit Sitz in Treptow entwickelt seit seiner Gründung im Jahr 2009 Projekte, die Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt und gesellschaftliche Teilhabe erleichtern. So hat der Verein im Brunnenviertel den JuPoint aufgebaut. Caiju hat das Blitzjob-Programm entwickelt und organisiert es bis heute.

Verantwortung übernehmen, Erfahrungen sammeln und eigenes Geld verdienen – das ist die Idee der Blitzjobs. Mitmachen können Jugendliche ab 13 Jahren. Sie sammeln erste Erfahrungen im Berufsleben, während Auftraggeberinnen und Auftraggeber für 12 bis 15 Euro pro Stunde unkompliziert Unterstützung erhalten.

Blitzjobs im Brunnenviertel: Zwei Blitzjobbes mit neongrünen Westen helfen beim BSR-Kieztag. Foto: Sulamith Sallmann
Blitzjobs im Brunnenviertel: Zwei Blitzjobbes mit neongrünen Westen helfen beim BSR-Kieztag. Foto: Sulamith Sallmann

Rechtliche Fragen mussten geklärt werden

Als Caiju mit dem innovativen Programm startete, mussten zunächst einige rechtliche Fragen geklärt werden. Unter anderem ging es darum, ob für Blitzjobs Sozialabgaben fällig werden. „2014 wurde dann gerichtlich bestätigt, dass Blitzjobs nicht sozialabgabenpflichtig sind“, sagt Nadine Kurz.

Für die jugendlichen Helferinnen und Helfer gibt es besondere Schutzmaßnahmen. „Alle Jugendlichen bekommen einen Alias-Namen“, sagt Nadine Kurz. Unter diesem Namen werden sie in der Datenbank geführt und treten auch bei ihren Einsätzen auf. So soll ihre Privatsphäre bestmöglich geschützt werden. Alle Teilnehmenden am Programm sind Mitglied im Caiju e. V. und während ihrer Tätigkeit versichert.

Viele Hintergründe, ein gemeinsames Ziel

Die Blitzjobbees haben ganz unterschiedliche persönliche Hintergründe. „Es sind viele Geflüchtete dabei. Die Jugendlichen kommen zum Beispiel aus Afghanistan, Syrien, der Türkei, dem Libanon, Bosnien oder sind palästinensischer Herkunft“, sagt Nadine Kurz. Für viele ist das Programm eine gute Gelegenheit, den deutschen Arbeitsmarkt kennenzulernen, erste Berufserfahrungen zu sammeln und nebenbei ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

So funktioniert ein Blitzjob

Wer Unterstützung bei einer Aufgabe benötigt, kann sich telefonisch unter (0800) 1 13 01 30 melden. Das Team von Caiju vermittelt dann Blitzjobbees, deren Interessen und Kompetenzen zum jeweiligen Auftrag passen. Nach erledigtem Auftrag erhalten die privaten, gewerblichen oder gemeinnützigen Auftraggebenden eine Rechnung, die Jugendlichen ihre Bezahlung. Ihr Lohn beträgt 11 Euro pro Stunde – maximal 960 Euro im Jahr dürfen sie verdienen.

Wer einen Blitzjobbee bucht, bekommt also nicht nur Unterstützung beim Schleppen, Gärtnern oder an einem Infostand. Jeder Einsatz ist zugleich eine Gelegenheit für Jugendliche, Verantwortung zu übernehmen, Geld zu verdienen und erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Ein Konzept, von dem am Ende beide Seiten profitieren – und der Kiez gleich mit.

Mehr über die Arbeit des Caiju e.V. steht auf der Webseite www.caiju.de.

Jugendliche erzählen von ihrer Blitzjob-Erfahrung. Video: Caiju e.V.
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