Hunde, Tauben, Ratten – Tiere in der Stadt gehören dazu wie der Straßenbaum oder die Parkhecke. Manche Tiere lösen bei einer Begegnung ein Lächeln aus, andere einen schmalen Ärgermund. Hier am Beispiel Brunnenviertel ein Blick auf Nachbar Ratte.

Wikipedia schreibt in der ihr eigenen trockenen Art: „Von den weltweit über 60 Arten der Ratten haben sich mehrere dem Menschen weitgehend angeschlossen und leben zeitweilig oder dauernd in seiner Umgebung.“ Aber ab und an wird aus dem zu akzeptierenden Zusammenwohnen ein Problem. Der Bezirk Mitte hat nachgezählt, wie oft er wegen Ratten um Beistand gebeten wurde. Gut eintausend Mal wird das Gesundheitsamt Mitte pro Jahr über Rattenbefall informiert.
Beispiel Brunnenviertel: Hier gab es im vergangenen Jahr ein Rattenproblem. Die Fraktion der CDU hatte deshalb in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gefragt, ob dem Amt bekannt sei, „dass der Spielplatz in der Swinemünder Straße zum Tummelplatz für Ratten geworden ist“? Das Bezirksamt bestätigte, dass auf dem Spielplatz bei Kontrollen im August und im Oktober 2024 ein Rattenbefall festgestellt wurde.
Bei Meldungen dieser Art werde „eine Bekämpfung durch einen Schädlingsbekämpfer eingeleitet“, teilt das Amt zum grundsätzlichen Ablauf mit. Eine Sperrung des Spielplatzes sei im konkreten Fall nicht erfolgt, da die Bekämpfung der Ratten in den Grünanlagen außerhalb des Kinderbereichs erfolge. Gründe für einen solchen Rattenbefall sind aus Sicht des Bezirksamtes nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Aber ein Grund sei auch, dass Menschen illegal Sperrmüll und Schutt abladen. „Eine gute Voraussetzung für eine anhaltende Besiedlung“, schreibt das Bezirksamt.
Wenn der Mensch der Ratte das Buffet bereitet
Dass die unerwünschten Nager sich in der Stadt wohlfühlen, hängt tatsächlich zu einem Teil am Verhalten der Menschen. Das bestätigt auch das landeseigene Wohnungsbauunternehmen Degewo. Blumig formuliert die Presseabteilung des Unternehmens: „Wir sind aber zwingend auf die Mitarbeit der Anwohner angewiesen, um das Problem in den Begriff zu bekommen.“ Übersetzt heißt das: Es sind die Menschen, die den Ratten das Leben leicht machen.
Das lässt sich im Brunnenviertel in manchen Höfen beobachten. Offene Mülltonnen, die auch noch mit Lebensmittelresten gefüllt sind, sind für die grauen Tiere wie ein einladend arrangiertes Kreuzfahrtbuffet. Denn klettern und springen können die Nager hervorragend. Das zeigte sich bei einem Rattenfest, das der Abgeordnete Tobias Schulze (Die Linke) im Oktober feiern wollte. Eigentlich war es seine Absicht, sich mit den Mietern über den Abschluss einer Schädlingsbekämpfung durch die Wohnungsbaugesellschaft Degewo zu freuen. Doch unerwarteterweise waren die kleinen Renner aktiv wie eh und je.
Kammerjäger und Grünpflege
Die Degewo hatte im letzten Jahr im gesamten Brunnenviertel Giftfallen aufgestellt. Sie hatte aber auch versucht, die Höhlen für die Tiere unattraktiv zu machen. Dazu hat sie Büsche zurückschneiden lassen. Freiliegende Aus- und Eingänge ihrer Höhlen mögen die ängstlichen Vierbeiner nicht. An manchen Stellen war diese Methode des Freischneidens effektiv. Außerdem habe die Degewo die Zusammenarbeit mit Müllwerkern sowie Schädlingsbekämpfern weiter intensiviert, teilt das Wohnungsbauunternehmen mit. „Wir haben mehr Restmülltonnen aufgestellt und teilweise die Reinigungszyklen weiter verkürzt“, heißt es. Nicht zuletzt habe die Degewo Jahresaufträge zur regelmäßigen Rattenbekämpfung vergeben. Die Degewo ist im Brunnenviertel der größte Vermieter, ihr gehören hier die meisten Wohnanlagen.
Ratten sind für sich genommen nicht gefährlich. Freilebende Tiere können jedoch als Wirtstier bestimmte Krankheiten transportieren. Dazu zählen Salmonellen, Leptospiren oder Hantaviren. Manche dieser Krankheiten klingen gefährlich, ohne es zu sein. Andere können unter Umständen für den Menschen gefährlich werden. Interessant ist, dass Wikipedia schreibt, dass der berühmte Rattenfloh nicht unbedingt der Überträger für die Pest im Mittelalter gewesen sein muss. Untersuchungen hätten gezeigt, dass auch andere Übertragungen möglich gewesen sein müssen. Auch bei dieser Krankheit, ist die Ratte nicht an sich das Übel, sondern die Pestbakterien, die die Vierbeiner transportieren, indem sie Rattenflöhe mit sich tragen.

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