Aus Mädchen werden Rapperinnen. Das passiert natürlich nicht einfach so. Das Selbstvertrauen der in der Doku „Sisterqueens“ porträtierten Mädchen wächst Song für Song. Vier Jahre lang hat Filmemacherin Clara Stella Hüneke das Wachsen dieses Selbstwertgefühls mit der Kamera beobachtet. Am Donnerstag (4.9.) zeigt das Sommerkino auf dem Leo diesen im Gesundbrunnen entstandenen Film über den musikalischen Weg zur Selbstbestimmung.
„Sisterqueens“ ist ein Gesundbrunnenfilm. Er entstand im Mädea, dem Zentrum für Mädchen und junge FLINTA in der Grüntaler Straße 21, und spielt auf den Straßen des Gesundbrunnens. Gleichzeitig ist es ein Film, von dem man hofft, dass er nicht nur im Wedding spielen kann, sondern überall spielen könnte. Zu sehen ist, wie in vier Jahren aus Mädchen selbstbewusste Jugendliche werden. Jugendliche, die sich bei Auftritten die Bühne nehmen und sie mit der Kraft von Gesang und Tanz füllen; die Bühne mit sich füllen. Jugendliche, die sich zu Themen wie Feminismus, Geschlecht und Rassismus genauso selbstverständlich äußern wie zu anderen Dingen. Es wirkt nicht aufgesetzt, wenn sie singen: „Bist du dabei? Dann sei mal laut!“


Das im Film gezeigte Rap-Projekt Sisterqueens ist 2016 im Mädchenzentrum Mädea gestartet und beschäftigt sich ernsthaft mit Rap und Hip Hop. Ernsthaft heißt: Ziel sind öffentliche Auftritte. Stolz berichtet die Webseite der Sisterqueens von Auftritten in den Uferstudios im Gesundbrunnen oder im Abgeordnetenhaus, im Theater Hebbel am Ufer oder beim Pop-Kultur Festival. Auf das Projekt Sisterqueens stieß die Dokumentarfilmerin Clara Stella Hüneke in der Coronazeit. Sie hatte zwei der Mädchen bei einem Theaterprojekt kennengelernt und entdeckte so das Rap-Projekt bei Mädea. Zunächst drehte sie dort erste Interviews, bevor die Mädchen in einer Vollversammlung einem kompletten Film zustimmten.
[Update 16. November 2025: Die Doku hat den Grimme Preis 2025 gewonnen. Außerdem hat sie den Musikpreis Deutscher Dokumentarfilmpreis 2025 erhalten.]
Filmemacherin Clara Stella Hüneke hat insgesamt fünf Jahre an der Dokumentation, die gleichzeitig ihr Diplomfilm ist, gearbeitet. Zu den 70 Drehtagen innerhalb von vier Jahren kamen anderthalb Jahre Bearbeitung des Materials hinzu. „Das hat auch bedeutet, Dinge rauszulassen, die ich für zu intim fand für ihr Alter, obwohl die Mädchen damit einverstanden waren“, sagt Clara Stella Hüneke über ihre Verantwortung im Umgang mit 120 Stunden Rohfilm. Letztendlich sei der Dokumentarfilm ein Blick der Regisseurin, sagt Clara Stella Hüneke. Sie habe den Film in der Hand, nicht die Protagonistinnen. Ein Satz, der natürlich stimmt. Dennoch gibt es Szenen, in denen man diese Selbstverständlichkeit vergisst. Das sind Szenen, in denen die Mädchen so ungezwungen miteinander reden, als ob die Kamera längst ausgeschaltet wäre.

Clara Stella Hüneke interessierte bei der Arbeit am Film „Sisterqueens“, welche Werkzeuge es brauche, um eine feministische Zukunft zu denken oder sogar zu leben. So sagt sie. Die Mädchen dagegen – so wirkt es in dem Film – interessieren sich für Gemeinschaft und Freundschaft, aber auch für Musik. Mädea ist für sie ein Treff. Und zudem ein Ort, an dem sie sich bei von Künstlerinnen und Künstlern angebotenen Rap- und Tanzprojekten ausprobieren können. Wo sie sich beweisen können. Auf der Bühne singen sie fordernde bis provozierende Texte, auf dem Nachhauseweg albern sie, genießen die Unbeschwertheit, die Mädchen genauso zustehen sollte wie den Jungs.
Nicht unwichtig: Die Frage, warum sich die Mädchen bereits als Kinder für Rap entschieden haben, die kann ihnen am 4. September beim Sommerkino Leo gestellt werden. Denn angekündigt ist, dass Faseeha, eine der drei rappenden Sisterqueens, zusammen mit der Filmemacherin zu einem Publikumsgespräch kommt.

Sisterqueens beim Sommerkino
Der Film „Sisterqueens“ läuft am Donnerstag, dem 4. September, beim kostenlosen Sommerkino auf dem Leopoldplatz. Los geht es um 20 Uhr. Der Film ist ab 12 Jahren geeignet. Es gibt einige Bierbänke; Decken oder Klappstühlen können aber gern mitgebracht werden. Zum Film gibt es kostenloses Popcorn. Im Anschluss an die Filmvorstellung stehen die Filmemacherin Clara Stella Hüneke und Faseeha, Darstellerin in der Doku, für ein Publikumsgespräch zur Verfügung.
Die Veranstaltungsreihe „Sommerkino auf dem Leopoldplatz“ wird von der Weddinger Agentur „georg + georg“ organisiert. Die Finanzierung für das Projekt kommt aus dem Bund-Länder-Programm „Lebendiges Zentrum und Sanierungsgebiet Wedding-Müllerstraße“.
Weiterlesen und Weiterschauen
Die Reihe Sommerkino Leo hat einen Instagramkanal. Das Programm findet sich bei uns auch im Beitrag 4 x Sommerkino auf dem Leopoldplatz. Der Film Sisterqueens ist für alle, die am 4. September keine Zeit haben, auch in der ZDF-Mediathek abrufbar. Hier geht es zur Rubrik Sisterqueens auf der Webseite des Mädchentreffs Mädea.

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