Nostalgischer Spaziergang: Jasmunder Straße

Hajo Lange, Jahrgang 1957, zog mit drei Jahren in die Jasmunder Straße. Er erinnert sich gern an die Gegend und all die kleinen Läden, die das Straßenbild mitprägten. Viele Häuser wurden im Laufe der Jahre abgerissen, zum Beispiel in der Jasmunder Straße. Ein nostalgischer Straßenspaziergang: Spazieren wir los!

Gewerbe im Wandel: Einige Einträge aus Branchenbüchern der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre für die Jasmunder und die Usedomer Straße. Foto/-bearbeitung: Hensel, Branchenbuch-Schnipsel: Schnell
Gewerbe im Wandel: Einige Einträge aus Branchenbüchern der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre für die Jasmunder und die Usedomer Straße. Foto/-bearbeitung: Hensel, Branchenbuch-Schnipsel: Schnell

Mein Vater hat damals Usedomer/Ecke Jasmunder Straße ein Geschäft: Schmuck – Uhren – Elektro. Dann war da der Fensterreinigungsladen und in der Jasmunder Straße 17 eine Bäckerei: Dort gab es für zwanzig Pfennig eine große Tüte Kuchenkrümel, für uns der Himmel auf Erden! Zwei Häuser weiter gab es einen Lebensmittelladen. Dort gab es alles lose (also ohne Plastikverpackungen): Butter oder Schichtkäse, Sauerkraut vom Fass, Holzkästen mit Bonbons, Konserven sowie Wurst, Schinken und Käse.

Familie Rohr hatte ihren Kohlenladen fast nebenan, daneben befand sich ein kleiner Obst-und Gemüseladen; später wurde daraus eine Kneipe, die „Pferdestall“ hieß. Auf der anderen Straßenseite der gab es einen Zahnarzt, dann eine kleine Näherei, vorne an der Ecke hatte Herr Fahnenkrug seinen Drogerieladen. Über die Usedomer Straße, an der Ecke, war ein kleiner Discounter. Ein Haus weiter hatte Familie Rohr ihren Kohlenplatz.

Auch in der Usedomer Straße gab es zahlreiche Geschäfte. Neben dem Laden meines Vaters war Heitmann – ein Sargladen. Nach der Kreuzung Jasmunder Straße hatte Herr Würger seinen Tabak- und Schnapsladen. Dann war da noch der sehr große Obst- und Gemüseladen sowie der Fuhrpark der BVG für Busse.

Batterien, Glühirnen und Sicherungen erhielt man im Elektroladen. In der Nähe war die Kneipe namens „Alte Biene“ und ein Blumenladen. Die Blumenerde wurde von dort mit dem Eimer nach Hause getragen. Ich erinnere mich auch an einen großen Zigaretten- und Zeitungsladen mit Lotto-Annahmestelle, danach kam die Apotheke, die heute leer steht, dahinter dann ein kleiner Laden mit einer Wäscherei und am Ende (Brunnenstraße/Ecke Usedomer Straße) stand die Aral-Tankstelle. Auf der anderen Seite hatte der Inhaber namens Ras eine Reinigung.

Der heutige Kiez hatte in meiner Kindheit ein anderes Gesicht. Leider hat der Sanierungswahn der 1970er und 1980er Jahre sehr viel von dem Charme zerstört, den dieses Gebiet einst hatte. Man hätte so viel Schönes erhalten können. Ich erfreue mich daher an meinen Erinnerungen.

📍 Kiez: ,

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