Die Beth-Zion-Gemeinschaft in der Brunnenstraße

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gab es überall in Deutschland Angriffe auf jüdische Einrichtungen. Auch die Synagoge in der Brunnenstraße 33 war Ziel in dieser Pogromnacht. Anlässlich des Jahrestags unternehmen wir eine Zeitreise zu den Anfängen des Religionsvereins Beth-Zion und erinnern an diese einzigartige Gemeinschaft.

Vor gut 150 Jahren brauchten nach Berlin zugezogene jüdische Bürger Mut, Hoffnung und Optimismus, um einen eigenen Religionsverein zu gründen. Zu dieser Zeit erlangte die neue große Synagoge in der Oranienburger Straße europaweite Bekanntheit, die Stadt wurde zur Millionenmetropole. Hatte sie 1871 noch 820.000 Einwohner, waren es 1880 nun 1.120.000 Einwohner. Berlin war Hype, Rausch, Ekstase und neue Heimat.

Zugang Synagoge Beth Zion Brunnenstraße 33, 6. April 1998, Quelle: Landesarchiv Berlin, Foto: Kasperski, Edmund
Zugang Synagoge Beth Zion Brunnenstraße 33, 6. April 1998, Quelle: Landesarchiv Berlin, Foto: Kasperski, Edmund

Brunnenstraße 120 und Rabbiner Höxter

Der Religionsverein Beth-Zion wurde 1879 von Marcus Hopp, Markus Barowitz und Moritz Rogasinsky gegründet. Man wollte nicht nach außen glänzen, sondern verfolgte innige Nächstenliebe und wahre Frömmigkeit. Anfangs bekam der Verein keine fremde Unterstützung, hatte eine einfache Betstätte und trotz dieser Umstände, kümmerte man sich um die Armen und Kranken. Hierfür gründete der Verein früh eine Unterstützungskasse, damit in Not geratene Mitglieder Hilfe bekommen. Und nach den ersten zehn Jahren ging der Verein auf die Suche nach einem Seelsorger, so ein Rückblick beim 22-jährigen Stiftungsfest (Der Israelit, Heft 43, 13. Februar 1902).

Straßenansicht Brunnenstraße 13-19, um 1887, Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (01) Nr. 61-2166 / Fotograf: F. Albert Schwartz
Straßenansicht Brunnenstraße 13-19, um 1887, Quelle: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (01) Nr. 61-2166 / Fotograf: F. Albert Schwartz

Von diesen schwierigen Anfangsjahren gibt es in den jüdischen und allgemeinen Tageszeitungen der Zeit nahezu keine Nachrichten. Dies änderte sich schlagartig, als der Verein am 25. Januar 1891 um 15 Uhr in der Brunnenstraße 120 seine neue Synagoge einweihte. Für die Festpredigt engagierten die Mitglieder Rabbiner Levy Höxter (1863-1925). Er wirkte zuvor in Wollenstein (Wolsztyn) Posen. Nachdem die Torarollen aus dem alten Betsaal in das neue Gotteshaus gebracht worden waren, dessen hell strahlender Raum bis auf den letzten Platz gefüllt war, hielt Rabbiner Höxter die Weihereide. Er sprach von der Bedeutung des Hauses als Berg der Zuversicht, als Ruhepunkt und als Heiligtum. Nach der Zeremonie hatten die Vereinsmitglieder nicht nur ein neues Gotteshaus, sondern alle wählten Rabbiner Höxter als zukünftigen Rabbiner. Mit ihm erwachte der Verein wieder zum Leben, hieß es einmal rückblickend.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der Verein in der Presse als „Verein der Rosenthaler Vorstadt“ bezeichnet, während sich ab Februar 1892 die einheitliche Benennung „Synagogen-Verein Beth Zion“ nachweisen lässt. Innerhalb eines Jahres hatte sich seine Mitgliederzahl von 38 auf 79 mehr als verdoppelt und stieg auf 108 im Jahr 1893. Der Verein wollte zum Sammelpunkt für den ganzen Bezirk werden „(…) dessen sichtbare Stätte das Gotteshaus sei, wo der Abglanz des göttlichen Lichtes stets in hellen Farben sich wiederspiegeln möge“ (Der Israelit, 25. Februar 1892).

Im Berliner Adressbuch von 1893 finden sich unter der Brunnenstraße 120 der Eintrag „Synagogengemeinde Beth“ sowie die Namen von sechs Mietern. Somit war es ein eher kleines Haus, man kannte und sah sich. Jedoch schossen in dieser Gegend schon große Mietshäuser empor, eröffneten immer neue Geschäfte, suchten Fabrikarbeiter nach bezahlbarem Wohnraum und neben dem Bedürfnis nach seelischer Betreuung gab es Mütter und Kinder, die in bitterer Armut lebten. Für sie eröffnet am 15. November 1893 an der Adresse Stralsunder Straße 68 die erste Kinder-Volksküche – unabhängig von Beth-Zion (Der Gemeindebote, 24. November 1893).

Umzug in die Brunnenstraße 10: Neue Impulse

Am 12. Juni 1893 veröffentlichte die Zeitung „Der Israelit“ eine Nachricht vom 7. Juni 1893, dass der Synagogen-Verein Beth Zion einen neuen Raum in der Brunnenstraße 10 zur Errichtung einer Synagoge erworben hat. Die Einweihung sollte wenige Wochen später erfolgen. Der Autor berichtete: „Ein eifriges, reges Streben hat sich in den letzten Monaten im Norden unserer Stadt entfaltet, das nunmehr zu einem Ziel gelangt ist, von dem wir neues, frisches Leben für die religiösen Interessen erwarten dürfen.“

Bauakte zur Synagoge Liesenstraße 3, Planung und Umsetzung 1899, Synagoge zerstört, Quelle: Landesarchiv Berlin
Bauakte zur Synagoge Liesenstraße 3, Planung und Umsetzung 1899, Synagoge zerstört, Quelle: Landesarchiv Berlin

Am 9. Juli 1893 wurde in der Brunnenstraße 10 die neue Betstätte von Rabbiner Höxter eingeweiht. Im Bericht über die Einweihung wurde der Verlust des alten Betsaals als schmerzlich beschrieben: „Unser Herz blute noch immer über das verlorene Heiligthum, aber nach dem Midrasch werde der Schmerz gemildert durch Errichtung von Synagogen und Lehrhäusern, in denen das Wort und der Geist Gottes lebendig seien“ (Der Israelit, 17. Juli 1893). Hintergrund für den Umzug war die gestiegene Mitgliederzahl, so ein weiterer Bericht (Der Gemeindebote, 28. Juli 1893). Zur Einweihungsfeier um 16 Uhr hatten sich 400 Gäste in der neuen Synagoge versammelt. Sie folgten gespannt den Worten des Rabbiners: „Wie erhaben ist dieser Ort, es ist nichts anders als ein Gotteshaus, und dieses ist die Pforte des Himmels“ (Der Israelit, 17. Juli 1893).

Seine Predigt über Mitmenschlichkeit innerhalb der Gemeinde, den Schutz der Synagoge, wo jeder Freud und Leid teilen könne und der Synagoge als Ort zur Beziehung zu Gott, hinterließ bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck. Die Leidenschaft für die neue Synagoge kam nicht nur in den Worten von Rabbiner Höxter zum Ausdruck, sondern auch in der Ausmalung des Raumes, die Julius Bodenstein innerhalb kurzer Zeit umgesetzt hatte, so ein zeitgenössischer Bericht.

Unterschiedliche Anzeigen vom Synagogenverein Beth Zion zu Veranstaltungen im Jahr 1896
Unterschiedliche Anzeigen vom Synagogenverein Beth Zion zu Veranstaltungen im Jahr 1896

Ein weiteres besonderes Ereignis für den Verein war die Spende einer neuen Torarolle von Marcus Wasserberg und seiner Frau, die am 1. März 1896 feierlich eingeweiht wurde: „Ein Stück altjüdischen Lebens, das dem Herzen wohlthut, weil man es hier selten – ach, so selten! – nur sieht“ (Allgemeine Israelitische Wochenschrift, 6. März 1896). Zu diesem Anlass war der Betraum entsprechend geschmückt, die Gäste wurden herzlich begrüßt und die Festpredigt von Rabbiner Höxter untermauerte die Großzügigkeit der Spender. Gleichzeitig kümmerte sich der Verein um seine bedürftigen Mitglieder. Insbesondere die Kinder erhielten zu Chanukka bei der gemeinsamen Feier Geschenke. So auch 1903, als 65 Kinder armer jüdischer Familien komplett neue Kleidung und weitere Kleinigkeiten erhielten.

Gipsstraße und Linienstraße: Eine Religionsschule kam hinzu

Zeitgleich mit dem Aufblühen des Synagogen-Vereins Beth Zion wurde eine eigene Religionsschule aufgebaut – eröffnet 1889 mit fünf Schülern. Unter der Leitung von Rabbiner Levy Höxter nahm die Zahl der Schüler schnell zu – um 1892/93 wurden 121 Kinder unterrichtet. Eine Nachricht im „Berliner Tageblatt“ vom 12. Oktober 1892 kündigte für das Wintersemester an, dass „die Kinder am Sonntag Vormittag und Mittwoch Nachmittag eine gediegene Ausbildung in allen hebräischen und biblischen Fächern erhalten.“

Die Räumlichkeiten befanden sich zunächst in der Gipsstraße 23b, Hauseigentümer war Rabbiner Höxter, und später in der Gemeindeschule Linienstraße 162 statt (ab 1910 in der Gartenstraße 107a). Neben dem Unterricht führten die Schüler am 3. März 1896 in Dräsels Festsälen (Neue Friedrichstraße 35) unter anderem eine theatralische und musikalische Purim-Aufführung vor. Zum 10-jährigen Jubiläum wurde berichtet, dass nun Kinder aus sämtlichen Stadtteilen die Schule besuchen und neben Rabbiner Höxter noch drei Lehrkräfte tätig sind – im Jahr 1901/02 waren es bereits sechs Lehrer und fast 300 Kinder, die hier Unterricht erhielten. Ebenso wie der Religionsverein sich um in Not gekommene Mitglieder kümmerte, wurden an der Schule den Kindern die Gebühren erlassen, wo immer es notwendig war.

Und es wurde eine weitere Verbindung unter den ehemaligen Schülern geschaffen: Unter Leitung von Rabbiner Höxter gründete sich am 4. Januar 1896 die „Literarisch-Gesellige Vereinigung“. Neben der Geselligkeit stand jüdische Literatur im Mittelpunkt der wöchentlichen Treffen (Berliner Vereinsbote, 7. Februar 1896). Den ersten Vortrag hielt am 8. Februar 1896 Rabbiner Höxter über Moses Mendelssohn. Zum ersten Stiftungsfest am 20. Februar 1897 kamen schon 200 Gäste.

Synagoge Brunnenstraße 33: Ein Wunder nach mehreren Jahren

Über viele Jahrzehnte kannten die Einwohnerzahlen Berlins nur eine Richtung: Im Jahr 1905 wurden erstmals zwei Millionen überschritten. Neben einer Ausdehnung in den Westen der Stadt samt intensiver Bautätigkeit wurde es auch in der Brunnenstraße immer lebhafter und enger. Beim Stiftungsfest im Januar 1906 äußerte Rabbiner Höxter den Wunsch, für den Verein eine Synagoge zu bauen. Er forderte alle Gäste und Mitglieder dazu auf, ihn bei diesem Vorhaben zu unterstützen.

Im Frühjahr 1910 tat sich die langersehnte Chance auf: An der Adresse Brunnenstraße 33 bot der Hof eine günstige Gelegenheit. Im Mai 1910 wurde der Grundstein für die neue Synagoge gelegt. Gut vier Monate waren vergangen, als am 25. September 1910 die neue Vereins-Synagoge eingeweiht wurde. Nun stand im Hof – ähnlich wie bei Ahawas Achim in der Prinzenallee 87 und Ohel Jizchak in der Liesenstraße 3 – ein Neubau, der ausschließlich als Synagoge dienen sollte. Bauherr und späterer Vermieter war der nichtjüdische Schirmfabrikant Fritz Hellwig – auch Ahawas Achim war lediglich Mieter der Synagoge.

Brunnenstraße 33, Zugang zum Hof mit Tafel „Synagoge Beth-Zion“, nach 1910.
Brunnenstraße 33, Zugang zum Hof mit Tafel „Synagoge Beth-Zion“, nach 1910.

Schlichtes Backsteingebäude mit hebräischer Inschrift

Das schlichte, verputzte Backsteingebäude zierte über dem Haupteingang eine hebräische Inschrift: „Das ist das Tor des Ewigen, Gerechte treten da ein“. Die emporstrebende Fassade mit horizontalem Schmuck zierte über dem dreieckigen Giebel ein Davidstern – in den 30er Jahren aus Metall. Der zweigeschossige Saal mit 520 Plätzen hielt im Erdgeschoss Sitzplätze für die Männer bereit und bot auf der U-förmigen Holzempore Platz für die Frauen, wie es auch in anderen Synagogen typisch war. Der Innenraum war nach Süden großzügig durch Fenster mit farbigem Glas geöffnet: im Obergeschoss Rundfenster mit filigranem Davidstern, ähnlich der Synagoge Liesenstraße. Im Untergeschoss entsprechend schmale doppelte Rundbogenfenster im romanischen Stil. Zur prachtvollen Ausstattung gehörten ein massiv silbernes Tora-Schild mit vergoldeter Krone und zwei Löwen, eine Silbertafel mit den zehn Geboten, zwei 80 Zentimeter hohe silberne Leuchter für jeweils drei Kerzen, zwei aus massivem Silber gefertigte Zeigefinger (Yad) zum Vorlesen aus der Tora sowie weitere kleine Silbergegenstände (diese Gegenstände wurden beim Synagogen-Einbruch am 17. März 1912 gestohlen). Im Hof gab es Platz für eine Laubhütte – einen hauptsächlich mit Laub, Früchten und Blumen geschmückten Pavillon für das Sukkot-Fest.

Die Einweihungsfeier der neuen Synagoge wurde in den Tageszeitungen für den 25. September 1910 um 12 Uhr angekündigt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz von Rabbinern, Beamten der staatlichen Behörden, Vertretern der jüdischen Gemeinde, Mitgliedern sämtlicher Religions- und Wohlfahrtsvereinen und den Vereinsmitgliedern gefüllt. Jeder wollte bei diesem freudigen Ereignis in der Brunnenstraße 33 anwesend sein. Man könnte von einem FOMO-Effekt sprechen (FOMO-Effekt –> Angst, etwas zu verpassen). Rabbiner Dr. Weiße und Höxter betraten unter dem Klang des Ma Towu die Synagoge. Nach den ersten rituellen Handlungen und einleitenden Worten zündete Rabbiner Weiße das ewige Licht an. Anschließend hielt Rabbiner Höxter die Festpredigt. Er bezog sich auf die Bedeutung der neuen Synagoge für die Mitglieder. Die Rede hinterließ bei allen Anwesenden einen bleibenden Eindruck. Fortan bildete die Synagoge den religiösen Mittelpunkt für die Beth-Zion-Gemeinde: Es fanden wochentäglich zwei Gottesdienste, sämtliche Festgottesdienste, Trauergottesdienste, Gedenkgottesdienste unter anderem am 27.12.1918 für die jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg, Schrifterklärungen, Hochzeiten und Bar Mitzwa statt.

Rabbiner Höxter und Rabbiner Landau

Rabbiner Höxter war bereits Mitte der 1890er Jahren sehr zuversichtlich für die weitere Entwicklung des Vereins. Beim Stiftungsfest von Beth Zion 1896 konstatierte er in seiner Festrede, dass der Verein ein dringendes Bedürfnis für diesen Stadtteil darstelle. In diesem Zusammenhang erwähnte er die guten Besucherzahlen der Synagoge, die von ihm geleitete Religionsschule, welche zu den bestbesuchten Berlins zähle, sowie die Unterstützung für die Vereinsmitglieder im Krankheits- und Trauerfall (Berliner Vereinsbote, 10. Januar 1896). Zu seinem 10-jährigen Jubiläum beim Verein Beth Zion, der mittlerweile zirka 160 Mitglieder hatte, erhielt Rabbiner Höxter als Anerkennung für seine Verdienste einen silbernen Pokal. Und nochmal 15 Jahre später fand am 16. Januar 1916 ein Festgottesdienst zu seinem 25-jährigen Jubiläum statt.

Anzeigen Beth Zion, Suche nach Kantor aus dem Jahr 1916
Anzeigen Beth Zion, Suche nach Kantor aus dem Jahr 1916

Nach 35-jährigem Wirken beim Synagogen-Verein Beth Zion starb Rabbiner Höxter am 31. Dezember 1925. Zu dieser Zeit hatte der Verein 450 Mitglieder – es war die höchste Anzahl an Mitgliedern. Der durchaus bekannte Verein mit engagierten Mitgliedern und die in Berlin renommierte Religionsschule waren seine wertvollen Verdienste: „Der in weiten Kreisen wegen seines talmudischen Wissens bekannte und 40 Jahre im Amt gewesene Rabbiner Dr. Höxter wurde auf dem Friedhof Weißensee bestattet“ (Israelitisches Familienblatt, 14. Januar 1926). Es hielten Rabbiner Dr. Loewenthal und Rabbiner Dr. Rosenthal würdevolle Reden und betonten seine stets dem Guten verpflichtenden Handlungen.

Ein halbes Jahr später, am 28. Mai 1926 wurde Rabbiner Ezechiel (weitere Schreibweisen: Jecheskel, Jechiel) Landau (1888-1965) als neuer Beth-Zion-Rabbiner eingeführt. Seine beruflichen Erfahrungen sammelte er als stellvertretender Landesrabbiner von Mähren und als Rabbiner in Prag (1917-1920), bevor er nach Berlin kam und hier unterschiedliche Aufgaben als Lehrer, Rabbiner und Redner übernahm. Bei seiner Amtseinführung war auch der letzte Platz in der Synagoge in der Brunnenstraße 33 von Rabbinen, Vertretern der Wohltätigkeitsvereine, Pressevertretern und Gemeindemitgliedern gefüllt.

Zunächst hielt der erste Vereinsvorsitzende eine Ansprache und anschließend betrat Rabbiner Landau die Kanzel. In seiner Rede sprach er vom Frieden in der Gemeinde und der Rolle der Jugend, wobei die Eltern in allem Guten voranleuchten müssen, damit das Gute gedeihen kann (Israelitisches Gemeindeblatt, 3. Juni 1926). Auch er galt bei den Zeitgenossen als ein bedeutender Talmudgelehrter, vorzüglicher Prediger, hervorragender Pädagoge und wahrer Menschenfreund. Er setzte die Tradition von Rabbiner Höxter fort und gründete im September 1926 den „Jugendbund Beth-Zion“. Eine offizielle Mitteilung vom 13. März 1934 verkündete, dass Rabbiner Landau Berlin verlassen hat, um in London zu wirken. Bereits im Jahr zuvor waren andere Rabbiner bei Beth-Zion tätig. Ein Jahr später, im März 1935, wurde in den Ankündigungen zu den Gottesdiensten wieder Rabbiner Landau erwähnt. Jedoch veränderte sich das Gemeindeleben in der Brunnenstraße rasant. Rabbiner Landau emigrierte 1939 nach London und 1940 in die USA, wo er unter anderem bei der Hebrew Immigrant Aid Society wirkte.

Zerstörung: kein Licht mehr in der Brunnenstraße

Nachdem viele Jahrzehnte ein Netzwerk der Vertrautheit unter den Mitgliedern aufgebaut worden war, Familien sich kannten und alle Generationen ein Teil der Gemeinschaft waren, gab es in den 1930er Jahren eine Entfremdung. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge in der Brunnenstraße 33 verwüstet, die Sitzpolster aufgeschlitzt, Feuer gemacht und somit das ewige Licht gelöscht. Wenngleich das Gebäude noch stand und noch einige Mitglieder in der Umgebung wohnten, wurde der Verein per Gesetz zwangsaufgelöst. Im Jahr 1939 stellte die Hugo Remmler AG bei der Baupolizei einen Bauantrag für einen Mauerdurchbruch zur Synagoge zur Umnutzung als Lagerraum. Ein Kapitel jüdischen Lebens in Berlin fand ein abruptes und unwiederbringliches Ende. Viele Vereinsmitglieder wurden Opfer des NS-Regimes und der Ort geriet für viele Jahrzehnte in Vergessenheit.

Seitenansicht Synagoge Beth Zion Brunnenstraße 33, 6. April 1998, Quelle: Landesarchiv Berlin, Foto: Kasperski, Edmund
Seitenansicht Synagoge Beth Zion Brunnenstraße 33, 6. April 1998, Quelle: Landesarchiv Berlin, Foto: Kasperski, Edmund

Erst im Jahr 1982 wurde das Gebäude als Büro- und Verwaltungsgebäude des VEB Berlin-Kosmetik sowohl umgenutzt als auch instand gesetzt. Nach der Wende begann man sich tiefergehend mit der Geschichte zu beschäftigen. Im Jahr 1994 wurde eine Gedenktafel angebracht, 1995 die Fragmente zum Baudenkmal erklärt, dann Leerstand über viele Jahre bis 2007 wieder jüdisches Leben einzog. Dieses Leben muss seit dem Brandanschlag vor gut einem Jahr noch intensiver bewacht und geschützt werden.

Text: Carsten Schmidt

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Carsten Schmidt ist Autor des Buches „Bittersweet: Jüdisches Leben im Roten Wedding, 1871-1933“. Das Buch ist 2023 bei Hentrich & Hentrich erschienen. Eine Rezension ist unter der Überschrift Buch über verlorenes jüdisches Leben erschienen. Weitere Beiträge über das interkulturelle Leben im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Interkulturelles Leben im Wedding.

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Kommentare

  1. Avatar von N. Aunyn

    Am 22. September hat die Beth Zion Synagoge eine neue Torahrolle bekommen. Dazu eine Fotostrecke:
    https://naunynblog.wordpress.com/2024/09/25/sonntagsfreude-eine-neue-torahrolle-fuer-berlin/

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Danke für die Ergänzung!

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