Herzzentrum: Wedding bleibt Weltspitze

Das Deutsche Herzzentrum wurde zu Westberliner-Zeiten auf dem Gelände des Virchow-Krankenhauses gegründet. Das war 1985 ein Sprung an die medizinische Weltspitze. Der Sprung ist 40 Jahre her. Nun setzt das Zentrum zu einem neuen Sprung an, um Weltspitze zu bleiben. Am Montag (6.10.) wurde der Grundstein für ein 17-stöckiges Herz-Hochhaus gelegt.

Wer Trübsal blasen und Niedergang herbeireden will, darf nicht das Feld der Medizin für Konversation wählen. Im Wedding investieren die Bundesregierung und das Land Berlin hohe Millionenbeträge, damit Medizin in Deutschland (oder zumindest in Berlin) den Anschluss behält. Auf dem Gelände des Virchow-Klinikums tut sich einiges. Aktuelle Nachricht: Am Montag, 6. Oktober, wurde feierlich Grundstein für das neue Herzzentrum gelegt.

Gebaut wird ein 70 Meter hohes Krankenhaus. Zum Vergleich: Das 1975 gebaute Schering-Gebäude (heute Bayer) in der Müllerstraße 178 ist laut Berliner Geoportal 67 Meter hoch. Und der Turm der Neuen Nazarethkirche am Leopoldplatz ist 78 Meter hoch. Das heißt, das neue Deutsche Herzzentrum wird auch physisch groß.

Deutsches Herzzentrum Grundsteinlegung
Offizielles Foto der Grundsteinlegung. In der Mitte Forschungsministerin Dorothee Bär und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner. Foto: DHZC/Paff

Die 17 Etagen des neuen Komplexes umhüllen rund 30.000 Quadratmeter Nutzfläche. 320 Patientenbetten und 20 Operationssäle soll es geben. Das Herzzentrum erhält eine Notaufnahme, die dem gesamten Virchow-Klinikum dienen soll. Hinter Beton und Glas verstecken soll sich dann eine Modellklinik für Digitalisierung, wie die Presseabteilung der Charité schreibt. Neben dem Krankenhausbetrieb wird das Gebäude zudem Forschung, Lehre und Translation aufnehmen. Translation ist das lateinische Wort für Übertragung und meint hier die Übertragung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in medizinische Anwendungen. Rund zehn Prozent der Fläche des Neubaus sind für wissenschaftliche Einrichtungen, Labore, Studienbüros und Lehreinheiten vorgesehen.

Deutsches Herzzentrum Grundsteinlegung
Baugrube des Neubaus auf dem Gelände des Virchow-Krankenhauses. Foto: DHZC/Paff

Das Land Berlin steckt 421 Millionen Euro in das neue Herzzentrum, die Bundesregierung gibt weitere 100 Millionen Euro hinzu. 2029 sollen die ersten Patienten im neuen Herzzentrum behandelt werden.

Weitere Neubauten im Virchow-Krankenhaus

Das neue Herzzentrum ist nicht der einzige Neubau, der das Virchow-Klinikum erweitert. 29 Millionen Euro flossen in das BeCat, das Berlin Center of Advanced Therapies. Das ist ein Laborhaus, in dem die TU Berlin und die Charité gemeinsam an sogenannten neuartige Therapien (ATMP) forschen. Die neuartigen Therapien verlassen den Bereich der Chemie und verfolgen den Ansatz, mit lebenden Zellen zu heilen – so eine einfache Beschreibung. Noch in diesem Jahr soll das Labor eröffnet werde.

Deutsches Herzzentrum Grundsteinlegung
So soll das neue Herzzentrum aussehen. Visualisierung: Wörner Traxler Richter Planungsgesellschaft mbH

Ebenfalls Ende 2025/Anfang 2026 soll das Labor „Der simulierte Mensch“ eröffnen. In diesem Gebäude wird ebenfalls in Zusammenarbeit mit der TU Berlin an Zellkulturen geforscht. Besonderheit ist, dass die Forscher hier mit Gewebe und vielleicht auch mit Organen aus dem 3D-Drucker arbeiten wollen.

Geschichte des Deutschen Herzzentrums

Das Gute am Neubau ist, es kann oft gefeiert werden. Vor einem Jahr war Erster Spatenstich, nun wurde mit viel Prominenz Grundsteinlegung gefeiert und wahrscheinlich folgt bald das Richtfest.

Deutsches Herzzentrum Grundsteinlegung
Foto: DHZC/Paff

Vor 40 Jahren am 12. Dezember legte der Regierende Bürgermeister Richard von Weizsäcker einen Grundstein, obwohl gar kein neues Haus gebaut werden sollte. Mit dem symbolischen Festakt startete Berlin 1983 eine umfassende Sanierung des historischen Portals des Virchow-Klinikums. Nach drei
Jahren Bauzeit zog das später berühmt gewordene Herzzentrum ein.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin wurde bald zu einer Spitzenklinik. Am 18.
April 1986 gelang hier die erste Herztransplantation. Ein Jahr später folgte als medizinische Spitzenleistung das erste Einsetzen eines Kunstherzens. Auch
die Menge der Operationen ist beeindruckend. Schon fünf Jahre nach Betriebsstart gab es die 10.000. Operation am offenen Herzen.
Politischer Vater der Herzklinik war der damalige Gesundheitssenator
Ulf Fink (CDU). Das Abgeordnetenhaus von Berlin bewilligte 84 Millionen D-Mark für den Umbau der alten Gebäude am Augustenburger Platz.
Der fachliche Vater war Emil Bücherl, der 1974 die herzchirurgische
Forschungsabteilung der Freien Universität Berlin am Klinikum Westend
gegründet hatte.

Weiterlesen zum Herzzentrum

Das ursprüngliche, traditionsreiche Herzzentrum, das den Wedding zu einem deutschlandweit wichtigen Gesundheitsstandort machte, ist heute eine Stiftung. Das heutige Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) ist ein Zusammenschluss aus Charité und dem ehemaligen Herzzentrum. Ausführliche Erklärungen zum BeCat, zum Berlin Center for Advanced Therapies, und zu neuartigen Therapien. Hier geht es zur Webseite des Labors Der simulierte Mensch.

Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

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Kommentare

  1. Avatar von Rolf

    Dass der Wedding ein Stadtteil mit viel Herz (-schmerz) ist, wussten wir ja schon lange. Jetzt hat das Herze ein Zuhause gefunden ;-)
    Aber Grund zum Meckern gibt es auch beim Thema Gesundheit: Abseits der High-Tech-Medizin sieht es mit der ambulanten Versorgung schlecht aus. Es war sehr schwer, im Wedding einen Kinderarzt oder eine Kinderärztin zu finden, die noch Patienten aufnimmt. Und bei meinem Hausarzt ist das Wartezimmer immer brechend voll.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Du hast natürlich recht! Spitzenmedizin ist das eine, Mittelohrentzündung das andere. Was mir noch aufgefallen ist: Es gibt auch nicht eine Herzschmerz-Ambulanz. Geschweige denn eine Weltschmerz-Ambulanz. Beides könnten wir hier auch gut gebrauchen.

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