Der Wedding gehört nicht mehr zu den sozial schwächsten Gegenden Berlins. Der Gesundbrunnen dagegen weiterhin. Das zeigt das neue „Monitoring Soziale Stadtentwicklung“ des Berliner Senats. Erstmals unterscheiden sich die beiden Ortsteile deutlich: Während weite Teile des Weddings inzwischen einen durchschnittlichen sozialen Status erreichen, bleibt der Gesundbrunnen von Armut und sozialer Benachteiligung geprägt.

Der Wedding wird durchschnittlich
Seit 1998 veröffentlicht der Senat regelmäßig das „Monitoring Soziale Stadtentwicklung“. Es beschreibt die soziale Lage auf Ebene der Berliner Planungsräume – also kleiner Gebiete, die sich grob als Kieze verstehen lassen.
Bislang galt: Wedding und Gesundbrunnen sind gemeinsam sozial abgehängt. Arbeitslosigkeit, Kinderarmut und Menschen, die Wohngeld bekommen – diese Zahlen waren bislang im Vergleich zu anderen Quartieren in der Stadt stets hoch.
Der neueste Bericht zeigt erstmals für fast alle Teile des Weddings einen durchschnittlichen sozialen Status. Das heißt, Wedding ist in der Mitte angekommen. Der Gesundbrunnen ist dagegen weiterhin ein armer Stadtteil.
Jetzt hellblau eingefärbt – und damit als durchschnittlich markiert – sind die Lebensräume (oder sagen wir Kieze) mit den Nummern 937 bis 942 und 1046 bis 1048. Das sind die Gebiete Afrikanische Straße, Kameruner Straße, Glasgower Straße, Schillerpark, Londoner Straße, Westliche Müllerstraße, Nordufer, Sparrplatz und Leopoldplatz. Im vor zwei Jahren veröffentlichten Bericht fanden sich im Wedding noch deutlich weniger hellblaue Flächen.
Der neue Bericht stellt fest, dass sich die sozialen Statusverbesserungen in der Inneren Stadt auf die westliche Innenstadt konzentrieren – darunter auch den Wedding.

Gesundbrunnen bleibt sozial benachteiligt
Anders sieht es im Gesundbrunnen aus. Zwar gibt es dort weniger Quartiere mit einem sehr niedrigen sozialen Status als noch vor zwei Jahren. Sei sind Magenta eingefärbt. Doch die Planungsräume Humboldthain-Nordwest, Uferstraße, Schulstraße, Drontheimer Straße, Koloniestraße und Soldiner Straße gehören weiterhin zu den sozial schwächsten Gebieten Berlins.
Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Gesundbrunnen dem Wedding folgt. Denn: „Die höchsten Konzentrationen positiver Dynamiken in der Inneren Stadt sind in den Planungsräumen der Bezirke Mitte (v. a. Ortsteil Gesundbrunnen) und in den Ortsteilen Neukölln und Kreuzberg zu verorten“. Positive Dynamiken heißt, dass ein Aufwärtstrend erkennbar ist. Noch gilt allerdings: „Die Gebiete, in denen sich soziale Benachteiligungen besonders konzentrieren, befinden sich überwiegend in den Ortsteilen Gesundbrunnen, Kreuzberg, Staaken, Falkenhagener Feld, Neukölln, Neu-Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf, Reinickendorf und dem Märkischen Viertel“.

Bessere Lebensverhältnisse – oder Verdrängung?
Ob die Entwicklung vom niedrigen sozialen Status zum Durchschnitt im Wedding und bald auch in Gesundbrunnen gut oder schlecht ist, das bewerten die Zahlen nicht. Geht es den Menschen in Wedding und Gesundbrunnen besser oder werden sie nur verdrängt? Für Letzteres spricht, dass die schlechten Zahlen in bestimmten Quartiere außerhalb des S-Bahn-Rings zunehmen. „Peripherisierungstendenzen sozialer Benachteiligung“ formuliert der Bericht 2026 hochtrabend und meint doch nicht mehr als: Menschen mit weniger finanziellen Mitten ziehen nach Marzahn, ins Märkische Viertel und nach Spandau.
Auch die hohe Fluktuation im Bezirk Mitte passt zu diesem Bild. Der Bezirk Mitte (Daten für Wedding und Gesundbrunnen stellt das Amt für Statistik nicht bereit) hat besonders viele Zu- und Fortzüge. 45.000 Menschen sind im Jahr 2024 in den Bezirk gezogen und gleichzeitig sind 45.000 aus ihm weggezogen. So viel wie in keinem anderen Berliner Bezirk. Bei rund 400.000 Einwohnern sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung neu angekommen. Offenbar sind viele von ihnen nicht auf staatliche Hilfen angewiesen.
Warum das Monitoring wichtig ist
Monitoring ist ein kalter, technischer Begriff, der eigentlich nicht mit dem Begriff sozial zusammengeht, bei dem es um den Menschen geht. Davon abgesehen, hat es einen guten Grund, dass das Land Berlin die soziale Lage in der Stadt auf Kiezebene beobachtet. Nicht nur die Einrichtung und Schließung von Quartiersmanagementgebieten hängt an den Zahlen. Der Finanzsenator stützt sich bei Mittelzuweisungen an die Bezirke auf den Indikator „Sozialräumlicher Status für den Wertausgleich“, der sich aus dem Monitoring errechnet. Kurz: Bezirke, mit vielen armen Menschen bekommen etwas mehr Geld.
Die Zahlen des Monitorings, Karten und der Bericht finden sich auf der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Leider sind die Daten regelmäßig veraltet. Der im Frühjahr 2026 veröffentlichte Bericht wertet zum Beispiel Zahlen der Jahre 2022 bis 2024 aus. Damit ist das Monitoring eher ein Rückblick als ein Blick auf die Gegenwart.

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