Wie aus einem Damenhutgeschäft an der Brunnenstraße 114 eines der erfolgreichsten Hutmodenhäuser im Berliner Norden wurde – und wie ein Tallit die Erinnerung an die jüdische Familie Cohn bis heute bewahrt.

Israel im Jahr 2026 [5786]. Nach vielen Jahrzehnten inneren Schweigens geht eine Familie in auf digitale Spurensuche nach ihren Vorfahren in Berlin – eine große Überraschung für mich, denn sie entdeckten meinen Artikel über die jüdischen Geschäfte in der Brunnenstraße. Schnell war ihnen und mir klar, dass die wenigen Dokumente und Bilder, die vom Berliner Urgroßvater Joseph Cohn und seiner Frau Hulda, geb. Reich, erhalten geblieben sind, nicht schon alles gewesen sein dürfen.
Denn die Cohns führten einst das erfolgreichste Hutmodengeschäft des Berliner Nordens. Welche heitere und dunkle Geschichte verbirgt sich hinter der Fassade des Hauses Brunnenstraße 114?
Die Hutmacherin und der Kaufmann
Eine erste Adressangabe mit dem Namen Cohn für die Hausnummer Brunnenstraße 114 lässt sich als „Cohn, J., Kfm.“ für 1898 bestätigen. Zuvor gibt es unter dem Mädchennamen von Hulda Cohn, nämlich Reich, bereits ab 1894 Einträge als „Reich, Kfm.“ – vermutlich war damit der Vater von ihr gemeint. Und ab 1899 stand im Berliner Adressbuch: „Cohn, J., Modewrhdlg“. Was hatten die Cohns in dieser Gegend, wo Armut und Kriminalität herrschten, wo Industriegelände und Mietskasernen ein neues Viertel schufen, nur vor?

Eine Zeitungsanzeige von 1898 deutet daraufhin, dass die Cohns nun ganz offiziell – nach ihrer Eheschließung am 14. September 1897 – ein eigenes Hutgeschäft starteten, denn man suchte Putzmacherinnen. Bewerbungen sollten an Hulda Cohn, laut Heiratsurkunde eine Hutmacherin, adressiert werden.
Nach dem gelungenen Anfang und weiteren Einstellungen kauften die Cohns um 1903/04 das Haus Brunnenstraße 114 und gingen mit Optimismus und Fleiß daran, sich ihren Traum vom kleinen Hut-Kaufhaus zu erfüllen – am 1. Oktober 1904 eröffnet man das neu ausgebaute Atelier und jeder Käufer erhielt an diesem Tag einen Hutkarton gratis.
Dies war jedoch erst der Anfang einer mehr als drei Jahrzehnte bestehenden Modeinstitution an der Brunnenstraße.
Ein neues Kapitel: die große Neueröffnung 1905
Im enormen Tempo der Weltstadt Berlin, die nun über zwei Millionen Einwohner hatte, entwickelte sich an der Brunnenstraße 114 das Damenhut-Kaufhaus Cohn zu einem florierenden Geschäft mit persönlicher Beratung, einem stetig wachsenden Sortiment und immer neuen Kreationen.
Die Modebranche war ein Aushängeschild Berlins und die Hutmode ein Trend mit teils extravaganten, verrückten Entwürfen. Vom Arbeiter bis zum Fabrikbesitzer, von der Hausangestellten bis zur Gesellschaftsdame, jeder besaß und trug Hüte, Mützen, Kappen zu den unterschiedlichsten Anlässen – vom Sport über den Alltag bis zu festlichen Anlässen und Beerdigungen.
Die Konkurrenz in diesem Bereich war groß: Die vornehmen Hutateliers befanden sich in der Gegend rund um den Hausvogteiplatz und Fabriken für alltägliche Modelle lagen teilweise am Stadtrand, wie beispielsweise die Hutfabrik der Gattels an der Prinzenallee.

Die Cohns eröffneten nach den ersten Umbauten 1904 nun im Frühjahr 1905 ihre neu gestalteten und vergrößerten Verkaufsräume im Haus Brunnenstraße 114. Auf einer halbseitigen Anzeige in der Zeitung Vorwärts warb Cohn für die Eröffnungsfeier am 1. April 1905. Im Vorderhaus nahmen die eleganten Verkaufs- und Geschäftsräume das Erdgeschoss und die ersten beiden Etagen ein. Neben eigenen Hutkreationen gab es Boleros mit Federponpons, ungarnierte Filzhüte, englisch garnierte Hüte, Schleier, verschiedene Garnierungsartikel, Kinder-Hüte, Sport-Hüte und vieles weitere, so eine Anzeige.
Cohns Hut-Palast war im Arbeiterviertel, zu dem die Rosenthaler Vorstadt mit der höchsten Einwohnerdichte Berlins gehörte, ein Paradies für mode- und preisbewusste Damen. Hierfür wurden die Rohstoffe und Grundformen bei Manufakturen zugekauft und im eigenen Atelier mit ganz unterschiedlichen Materialien vollendet, bevor sie in den Verkauf kamen.

Insgesamt beschäftigten die Cohns 1905 bereits 35 Mitarbeiterinnen im Verkauf und der Organisation des Verkaufs. In den Tageszeitungen suchte man nach Schaufensterdekorateuren, Kassiererinnen und Buchhalterinnen. Für das Atelier benötigte man händeringend Putzmacherinnen und Garnierinnen, die schnell und chic garnieren können – ein Spezialberuf mit ganz besonderen Kenntnissen und gestalterischen Fähigkeiten. Bei den Stellenanzeigen stand oft „mittel und elegante Genre“ als Qualitätsstil. Es war ein Kommen und Gehen im Geschäft und auch in den Nebenräumen musste alles organisiert, strukturiert und reibungslos laufen.
Innerhalb weniger Jahre wurde die Adresse Brunnenstraße 114 über das Viertel hinaus bekannt und zum Magnet für Kundinnen aus anderen Stadtteilen.
Vermutlich stellten die Cohns im September 1912 bei der großen Berliner Modeausstellung eigene Modelle aus und gaben im Katalog eine Jahresproduktion von 85.000 garnierten Hüten an. Ein Höhepunkt. Zeitgleich kauften sie um 1910/11 das Haus Brunnenstraße 126/27 Ecke Stralsunder Straße 14, ließen hier einen repräsentativen Neubau errichten und eröffneten ein weiteres Hutgeschäft. Auch bezogen Hulda und Joseph Cohn mit ihren vier Kindern eine große Etagenwohnung im Haus Brunnenstraße 126/27.
Der Berliner Hutnadel-Erlass
Ein notwendiges Hilfsmittel zur sicheren Platzierung eines Hutes auf dem Kopf der Dame bildete die Hutnadel, die alles an der richtigen Stelle hielt. Sie hatte meist ein spitzes Ende, welches seitlich vom Hut mehrere Zentimeter herausragte. Umso größer die Hüte wurden, umso länger wurden auch die Nadeln. Manchmal diente die Hutnadel zur Abwehr von unerwünschten Übergriffen und konnte auch in dicht gedrängten Menschengruppen, wie im öffentlichen Nahverkehr und im Theater, unbeabsichtigt zu Verletzungen im Auge und Gesicht führen. Somit wurde die ungeschützte Hutnadel vom Berliner Polizeipräsident von Jagow als Gefahr für die Trägerin und insbesondere für ihre Umwelt eingestuft.

Im November 1910 ordnete er die Verwendung von „Schutzkapseln“ an der Hutnadelspitze an. Diese gab es im Handel bereits, erfreuten sich jedoch keiner Beliebtheit. Joseph Cohn wiederum nutzte die allgemeine Aufmerksamkeit für die Hutnadel für eine Werbekampagne für „Joseph Cohns Damenhuthalter“. Für seine Alternative zur Hutnadel, die in ähnlicher Form auch andere Hutgeschäfte anboten, schaltete er unmittelbar nach Jagows Erlass eine Anzeige im Tagesspiegel mit der sehr auffälligen Überschrift: „Der Polizeipräsident von Berlin“.
Der Hutnadel-Erlass wurde im Sommer 1911 weiter verschärft. Auf das Tragen einer hervorstehenden und ungeschützten Hutnadel stand nun bis zu zwei Jahre Gefängnis. Dieses Problem beschäftigte mehrere Jahre die Öffentlichkeit. Für Cohn war es eine einmalige Werbechance, die einfach genutzt wurde.
Die Cohns privat: Zwischen Thora, Hüten und Kindererziehung
Das Hauptgeschäft befand sich in den 1910er Jahren weiterhin an der Hausnummer 114. Das zweite Geschäft an der Adresse Brunnenstraße 126/27 tauchte nur selten in Werbeanzeigen auf – später wurde die Ladenfläche vermietet. Und Ende der 1920er Jahre nahm man Herrenhüte mit ins Sortiment auf. Die Cohns setzten seit jeher sowohl auf Ladenverkauf als auch den Versand, was zum Erfolg beitrug.

Neben der großen Geschäftstüchtigkeit der Eheleute Cohn finden sich auch immer Spuren der Mitmenschlichkeit gegenüber den Angestellten. So veröffentlichte Joseph Cohn eine Traueranzeige für seinen Mitarbeiter Sami Nacht. Eine weitere Anzeige veröffentlichte Joseph Cohn für Albert Buttler, der im Ersten Weltkrieg gefallen und zuvor Mitarbeiter bei Cohn war.
Die Cohns lebten streng rituell. Joseph Cohn war zeitweise Schatzmeister beim Synagogenverein Lew Jehudo (gegründet 1908), der in den 1920er Jahre seine Räume in der Franseckistraße 3 (heute Sredzkistraße) und Gottesdienste, Pflege des Thorastudiums und den Erhalt einer Religionsschule als Zweck hatte. Auch veröffentlichte die Familie Cohn Anzeigen in jüdischen Tageszeitungen zu Jom Kippur auf hebräisch. Ob es eine Beziehung zum nahegelegenen Synagogenverein Beth Zion an der Brunnenstraße 33 gab, ist bislang unbekannt.
Im Jahr 1906 suchte Hulda Cohn für ihre drei Kinder im Alter von drei, sechs und acht Jahren ein gebildetes Fräulein, die rituell kochen und die Erziehung übernehmen konnte. Wenige Jahre später suchte man wieder eine Erzieherin, die streng religiös ist und Klavierunterricht geben kann. Denn Hulda Cohn bekam nach Julie, Philipp und Carl im April 1908 ihr viertes Kind, ein Mädchen, das man Käthe nannte.
Das jüngste der vier Kinder starb nach schwerer Krankheit mit nur sechseinhalb Jahren. Die ganze Familie trauerte. Kätchen, wie es liebevoll in der Traueranzeige stand, wurde auf dem Jüdischen Friedhof der Adass Jisroel Gemeinde in Weißensee beigesetzt.

Freudiger war die Bar Mizwa Feier für den Sohn Kurt Michael Cohn (geb. 11. September 1915), zu der die Familie am 22. September 1928 in ihre große Wohnung in der Brunnenstraße 126/27 einlud. Der Tallit (Gebetsmantel) und die dafür extra angefertigte Tallit-Hülle mit der hebräischen Aufschrift „Michael, Sohn des Joseph Israel Cohn“ (מיכאל בר יוסף ישראל הכהן) hat sich bis heute erhalten und befindet sich im Familiensitz der Nachkommen. Dieser Tallit verbindet das Berlin der 1920er Jahre mit den Nachkommen, denn der Enkel trug ihn bei seiner Hochzeit unter der Chuppa (Baldachin unter dem die Ehe versprochen wird).
Später, in den frühen 1930er Jahren, wohnte auch Rabbiner Ezechiel Landau vom Synagogenverein Beth Zion im Haus Brunnenstraße 126/27 und kündigte die Bar Mizwa Feier seines Sohnes Salli für den 24. Juni 1933 an. Da die Landaus Mieter im Haus waren, pflegten sie bestimmt Kontakt zu den Cohns. Rabbiner Landau emigrierte 1939 nach London.
Über drei Jahrzehnte an der Brunnenstraße 114
Die Cohns nutzen die Berliner Zeitungen ganz gezielt: Personal für die unterschiedlichen Abteilungen suchte man mit Anzeigen im Berliner Tageblatt. Dort inserierten auch andere jüdische Firmen. Neben Personalsuche gab es auch Anzeigen für koschere Lebensmittel und Restaurants.
Die Werbeanzeigen für ihr umfangreiches Hutsortiment schalteten die Cohns, vermutlich aufgrund der Lage im Arbeiterbezirk, in der Zeitung Vorwärts und mit auf die Zielgruppe zugeschnittenen Werbesprüchen wie: „Frauen Berlins! Wählt“ in kleiner Schrift dann weiter „zum Damenhutlieferanten das führende Damenhuthaus Joseph Cohn & Co. Brunnenstraße 114“. Oder als die U-Bahn fast vor dem Geschäft hielt, lautete eine Anzeige im Vorwärts: „Voltastraße heißt die Station! Kommste raus, siehste schon: Hut-Haus Joseph Cohn“. In den jüdischen Zeitungen finden sich ganz wenige Hinweise auf die Cohns; darunter sind sowohl Familiennachrichten als auch Anzeigen.

Am 20. November 1932 starb der Gründer Joseph Cohn. Er wurde 61 Jahre alt und auf dem Friedhof der Adass Jisroel Gemeinde in Weißensee beerdigt. Traueranzeigen erschienen von der Familie und den Mitarbeiterinnen. Anschließend trat seine Frau Hulda die alleinige Geschäftsführung an – wie im Testament zwischen beiden bereits 1908 festgelegt.
Noch vor der endgültigen Entrechtung erschien Hulda Cohn als Eigentümerin der drei Häuser: Brunnenstraße 114, Brunnenstraße 126/27 Ecke Stralsunder Straße 14 und Swinemünder Straße 71. Dies lässt sich in den Berliner Adressbüchern der 1930er Jahre nachweisen.

Generell deutet das erhaltene Testament auf eine in vielen Bereichen sehr fortschrittliche Ehe hin, denn Joseph Cohn gab an, dass das nun vorhandene Vermögen (Stand 1908) nur durch die Hilfe und Unterstützung seiner Frau entstehen konnte.
Sie hatte eine erhebliche Summe in die Ehe eingebracht, kümmerte sich gemeinsam mit ihrem Mann um das Geschäftliche und wird auch in Sachen Hut-Trends immer auf dem aktuellsten Stand gewesen sein, denn nur so konnte man erfolgreich sein. Durch ihren großen Fleiß sah er sie als geschäftlich gleichberechtigte Partnerin – zeitweise hatte sie die Prokura.
Somit war Hulda Cohn keine Frau im Hintergrund, sondern spielte eine zentrale Rolle in der Familie, in der Unternehmensführung und im Aufbau des familiären Wohlstands. Dieses Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungsvermögen zeigte sich nicht zuletzt, als sie nach seinem Tod das Geschäft weiterführte und auch unter den Schikanen der NS-Regierung für den Erhalt kämpfte – die kleine Frau mit den dunklen Haaren und ernstem Gesichtsausdruck.

Laut dem Berliner Adressbuch 1939 war Hulda Cohn noch Eigentümerin der Liegenschaften. Anders stellten sich die Besitzverhältnisse laut Adressbuch 1940 dar: als Eigentümerin der Brunnenstraße 114 wurde E. Stedefeld (Wohnadresse Levetzowstraße 13) angegeben und die Liegenschaft Brunnenstraße 126/27 gehörte nun W. van Spronson (Gärtnereibedarf Werbig). Diese rasche Veränderung spricht für einen Verkauf unter Druck des NS-Regimes. Das Haus in der Swinemünder Straße 71 war laut Adressbuch 1940 im Besitz von Hulda Cohn, aber unter Verwaltung eines G. Walter, Friedrichstraße 217. Im Adressbuch von 1941 wurde als neue Eigentümerin der Swinemünder Straße 71 eine Frau aus Stettin genannt.
Pogromnacht, Zwangsauflösung, Flucht
In der Pogromnacht 1938 wurden die Schaufenster vom Hutgeschäft Brunnenstraße 114 zerstört. Jedoch begann der NS-Staat schon vorher damit, den Cohns ihren Besitz zu entziehen.
Im Januar 1938 muss Hulda Cohn für eine Umschreibung im Handelsregisterblatt ihre Prokura aufgeben. Im Mai 1939 forderte das Amtsgericht Berlin Hulda Cohn auf, die Löschung ihrer Firma einzureichen. Es war eine staatliche Verfügung, gegen deren Anordnung Strafen von 100 Reichsmark angekündigt wurden.
Innerhalb weniger Jahre (1938–1941) verlor Hulda Cohn ihr gesamtes Vermögen: das Geschäft und die Immobilien durch Zwang des NS-Staates.

Zu diesem Zeitpunkt wohnten und lebten immer weniger jüdische Familien in der Brunnenstraße. Vermutlich gab es in der Familie Cohn unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Zukunft sie noch unter dem NS-Regime in Deutschland oder Europa haben können. Hulda Cohn blieb in Berlin. Sie wurde als 66-jährige Witwe – noch wohnhaft in der Brunnenstraße 114 – mit dem sogenannten 3. großen Alterstransport am 3. Oktober 1942 von Berlin nach Theresienstadt Ghetto deportiert. Der Transport ging vom Bahnhof Grunewald ab: im Zug waren über 1.000 überwiegend alte und kranke Menschen.
Ähnlich viele Menschen wurden im Rahmen eines Sonderabkommens am 5. Februar 1945 mit dem „Zug in die Freiheit“ von Theresienstadt über Prag in die Schweiz und somit in Sicherheit gebracht. So gelangte Hulda Cohn noch vor der Befreiung Theresienstadts zunächst in die Gegend von St. Gallen und wurde später nach Les Avants im französischsprachigen Teil der Schweiz verlegt. Im Jahr 1946 verließ sie die Schweiz und emigrierte nach Santiago, wo sich ihr jüngster Sohn Kurt Michael Cohn befand, der nach der Pogromnacht aus Deutschland geflohen war.
Ende 1951, als Hulda Cohn krank war und glaubte, nicht mehr lange zu leben, entschloss sie sich, Chile zu verlassen und nach Israel auszuwandern, um in der Nähe ihrer ältesten Tochter Julie zu sein, die in Jerusalem lebte. Beide Frauen hatten sich zuletzt im KZ Theresienstadt gesehen, wohin Julie von Amsterdam aus über das Durchgangslager Westerbork deportiert worden war. Eine Situation, die bestimmt für beide Frauen überwältigend gewesen sein dürfte. Wie auch das Wiedersehen in Israel.
Huldas Sohn Carl flüchtete über Shanghai in die USA und baute sich dort ein neues Leben auf. Und der andere Sohn Philipp wurde gemeinsam mit seiner Frau Vera und ihrem zwölfjährigen Sohn Gerhard am 26. Februar 1943 mit dem 30. Osttransport von Berlin nach „Auschwitz Concentration Camp“ deportiert – bis dahin wohnte die Familie in einer Zwangsunterkunft in der Stralsunder Straße 68 bei Haller. Alle drei wurden in Auschwitz ermordet.
Hulda Cohn starb in Jerusalem am 10. April 1953. Es folgten viele Jahrzehnte, in denen die Familie für eine Wiedergutmachung des erlittenen Vermögensverlustes kämpfte.
Was nach fast 90 Jahren übrig blieb
Das Hut-Kaufhaus Cohn an Brunnenstraße 114 lag zwischen dem eine Querstraße weiter gelegenen Kaufhaus von Julius Loewenberg (errichtet 1913–1914, später Ury) und dem südlich gelegenen Warenhaus Jandorf (eröffnet 1904). Es trug vor dem Ersten Weltkrieg wesentlich zur Entwicklung der Brunnenstraße als Geschäfts- und Wohnviertel bei. Und auch danach zog das Hut-Kaufhaus Kundinnen aus ganz Berlin an. Heute gibt es keine Erinnerungen an die Cohns in der Brunnenstraße.
Das Haus Brunnenstraße 114 steht nahezu unverändert, die Ecke Brunnenstraße 126/27 Stralsunder Straße hat sich komplett verändert (erst das Kaufhaus Held, heute ein Wohnblock) und an der einstigen Swinemünder Straße 71 ist heute ein Sportplatz.

Huldas jüngster Sohn Kurt Michael Cohn starb 1982. Er hinterließ seinen Tallit. Fast hätte er die Geschichte seiner Eltern und ihres Berliner Hut-Kaufhauses für immer verschlossen. Nun ist der Tallit eine Brücke in die Vergangenheit: in eine Stadt, die die Nachkommen bislang fast nicht kennen, und zu Orten, die fremd und doch auch vertraut sind. Unter Schmerz und Neugier tasten sie sich an die eigene Geschichte heran.
Es war Zeit, dass wir ihnen mit diesem Artikel ein kleines Stück entgegenkommen.
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