Kaufland Gesundbrunnen muss bald ausziehen

Der Eigentümer des Kaufland-Grundstücks am Bahnhof Gesundbrunnen plant den Abriss des Gebäudes. Das Immobilienunternehmen will vermutlich Büros bauen, gibt aber noch keine genauen Auskünfte.

Update März 2026: Über neue Entwicklungen wird im Artikel „Kaufland kommt zurück! Markt könnte nach Abriss wieder öffnen“ berichtet.

Das Fachmarktzentrum befindet sich direkt am Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Sulamith Sallmann
Das Fachmarktzentrum befindet sich direkt am Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Sulamith Sallmann

Die Anwohner interessiert vor allem eines: Muss Kaufland raus? Die Antwort lautet: ja. Denn das langgestreckte Gebäude an der Brunnenstraße 105 – 109 wird abgerissen. Zweite Frage: Kommt Kaufland zurück? Antwort: Das steht nicht fest. Das Grundstück gehört Hines, einem US-amerikanischen Immobilieninvestor. Ein Pressesprecher sagt auf Anfrage: „Generell verfolgt Hines das Ziel, sich langfristig an dem Standort nachhaltig zu engagieren und gemeinsam mit Politik und Nachbarschaft zur Aufwertung des Standorts Gesundbrunnen beizutragen.“ So weit, so unklar. Pläne hat Hines noch nicht veröffentlicht.

„Aktuell prüfen wir den jüngst erteilten Bauvorbescheid“, sagt der Pressesprecher, der namentlich nicht genannt werden möchte. Ein Bauvorbescheid ist eine verbindliche Antwort des Bezirksamts auf eine (oder mehrere) Fragen eines Bauherrn. Das Amt kann später bei einer Baugenehmigung die Antworten des Bauvorbescheides nicht rückgängig machen. Was Hines gefragt hat, ist nicht öffentlich bekannt. Auch die frühere Pferdekoppel neben der Swinemünder Straße gehört dem Investor. Es geht also um eine große Fläche.

Der Bezirk steht den Plänen positiv gegenüber

Passanten gehen am Kaufland Gesundbrunnen mit dem großen Parkhaus vorbei in Richtung Brunnen- und Badstraße. Foto: Sulamith Sallmann
Passanten gehen am Kaufland Gesundbrunnen mit dem großen Parkhaus vorbei in Richtung Brunnen- und Badstraße. Foto: Sulamith Sallmann

Ephraim Gothe, der für Stadtentwicklung zuständige Stadtrat, hat bereits einen ersten Blick in die vorläufigen Planungen von Hines werfen können. Er äußert sich am Telefon optimistisch. Ihm gefalle, dass Hines eine Grünverbindung zwischen Humboldthain und der neuen Siedlung am Humboldthain vorschlage. Auch den angedachten Minipark auf der Fläche der ehemaligen Pferdekoppel östlich der Millionenbrücke (Swinemünder Brücke) sehe er positiv. Ein Hochhaus könne er sich nicht vorstellen, die übliche Bebauung mit mehreren Etagen sei angemessen.

Auch wenn das Vorhaben noch ganz am Anfang steht, gibt es vom Immobilienunternehmen Hines erste ​
Informationen. In einer Eigenwerbung wird das Projekt „Fountain“ genannt. Das Objekt wird als „Development Management Project“ bezeichnet. Das steht im Immobiliensprech für Entwicklung und meint meistens Neubau. Die Eigenwerbung nennt Büro und Einzelhandel als Nutzungsarten. Ob ein Hypermarkt, also ein Supermarkt der Extraklasse wie Kaufland, wieder einziehen kann, ist für die Öffentlichkeit noch offen.

Mietverträge im Kaufland Gesundbrunnen sind langfristig

Das Grundstück neben den Bahngleisen hat Hines 2020 gekauft. Wir „befinden uns in einem konstruktiven Austausch mit unseren Mietern“, sagt der Pressesprecher. Hier ist interessant, dass der Mieter Kaufland, also ein Gewerbe ist: Mietverträge im Gewerbe werden oft langfristig geschlossen. Die Bauarbeiten können also erst starten, wenn sich Hines und der Mieter Kaufland über das weitere Vorgehen geeinigt haben.

Auf der ehemaligen Pferdekoppel wurden vom Investor Aufräumarbeiten durchgeführt. Foto: Dominique Hensel
Auf der ehemaligen Pferdekoppel wurden vom Investor Aufräumarbeiten durchgeführt. Foto: Dominique Hensel

Bislang fanden rund um die Swinemünder Brücke reine Aufräumarbeiten statt. Die eigentlichen Bauarbeiten haben noch nicht begonnen. Denn: „Leider wurde das Grundstück der ehemaligen ‚Pferdekoppel‘ in der Vergangenheit immer wieder als Mülllager genutzt und von Vandalismus heimgesucht“, so der Pressesprecher. Man habe Unrat beseitigt und Baracken abgerissen, um „für mehr Sicherheit in der Nachbarschaft zu sorgen“. Illegal abgestellte Fahrzeuge habe Hines ebenfalls entfernen lassen.

Interessant ist die Entstehungsgeschichte des Kaufland-Gebäudes. Der Bau war in den Nullerjahren in der Bezirkspolitik stark umstritten. Die Bezirksverordnetenversammlung trat 2006 zu zwei Sondersitzungen zusammen, um über das Projekt „Fachmarktzentrum Brunnenstraße“ zu diskutieren. Der damalige Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) und die zuständige Stadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) genehmigten anschließend den Bau gegen den Willen der Bezirkspolitiker. „Es gab keine rechtlichen Gründe, den Bauantrag zurückzustellen“, sagte Christian Hanke damals. Stadtrat Ephraim Gothe sagt heute, er habe das Fachmarktzentrum mit dem Mieter Kaufland geerbt. Und ein Erbe müsse nicht immer ein Grund zur Freude sein.

Vor rund 15 Jahren hatte die HLG-Projektmanagement GmbH versprochen: „Wir bauen keinen Billigmarkt, sondern ein Fachmarktzentrum mit sechs größeren Anbietern, aber mit derselben Bauqualität wie das Gesundbrunnen-Center auf der anderen Seite des Bahnhofs“. 24 Millionen Euro waren als Baukosten für das Einzelhandelszentrum veranschlagt.

Im Jahr 2007 war die Fläche vor der Swinemünder Brücke, auf dem heute das Kaufland Gesundbrunnen steht, noch eine Brache. Foto: Sulamith Sallmann
Im Jahr 2007 war die Fläche vor der Swinemünder Brücke, auf dem heute das Kaufland Gesundbrunnen steht, noch eine Brache. Foto: Sulamith Sallmann

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Kommentare

  1. Avatar von Maaru

    Was war denn eigentlich VOR der Brache? Ich bin schon lange in Berlin, kann mich aber überhaupt nicht an diese Brache erinnern, schon gar nicht, dass sie bis 2007 existierte.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Das ist eine Frage für unseren Historiker. Ich kann aber den Blick in unsere Foto-Sonderausgabe „Am Nordkreuz“ empfehlen. Da sieht man auf Seit 24 ein historisches Bild von 1950. Darauf ist eine flache Bebauung zusehen. Verkaufsbuden hat sie unser Historiker genannt. https://brunnenmagazin.de/wp-content/uploads/2022/01/brunnen_ausgabe_25_web.pdf

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