900 Wohnungen statt Büros: Neue Pläne für das Quartier am Gesundbrunnen

Ein 60 Meter hoher Turm, ein zickzackförmiger Gebäuderiegel und ein neuer Stadtpark: Am Bahnhof Gesundbrunnen soll ein neues Quartier entstehen. Bis zur Swinemünder Brücke erstreckt sich das geplante Areal, dahinter sind Wohnhäuser vorgesehen. Aus dem ursprünglich geplanten Büroprojekt soll nun ein gemischtes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe und Einzelhandel werden. Das Projekt „Fountain“ wurde am Freitag, 19. Juni, im alten BVV-Saal am Leopoldplatz vorgestellt.

Eine Darstellung der geplanten Gebäude auf dem Areal am Gesundbrunnen. Grafik: Architekturbüro Max Dudler
Eine Darstellung der geplanten Gebäude auf dem Areal am Gesundbrunnen. Grafik: Architekturbüro Max Dudler

Statt Büros nun Wohnungen und Gewerbe

Bei den präsentierten Plänen des Immobilieninvestors Hines handelt es sich um eine Überarbeitung eines schon länger geplanten Projekts. Zunächst hatte das Unternehmen am Gesundbrunnen vor allem Büros bauen wollen – dafür sollte der bestehende Kaufland-Markt abgerissen werden. Nun wurden die Pläne geändert, in einem Werkstattverfahren wurde der Entwurf des Berliner Architekturbüros Max Dudler ausgewählt. „Es war eine lange Zeit, die das Projekt gebraucht hat. Doch die Zeit hat geholfen, noch mal kritisch auf das Projekt zu schauen und es anzupassen“, sagte Bezirksstadtrat Christopher Schriner bei der Vorstellung der Pläne.

Beim Abriss des Bestandsgebäudes ist es geblieben, doch die Nutzung der entstehenden Gebäude wurde geändert. Bei der Neuplanung spielte auch die Umgebung eine Rolle. „Uns war die stadträumliche Einbindung des Quartiers besonders wichtig“, formulierte Senatsbaudiektorin Petra Kahlfeldt das neue Ziel. Geplant ist unter anderem eine Fuß- und Radverbindung entlang der Bahnlinie, die langfristig Mauerpark und Volkspark Humboldthain besser verbinden soll.

Auf dem 2,9 Hektar großen Gelände soll ein gemischtes Stadtquartier entstehen. Statt Büros soll es eine Mischung aus Einzelhandel, Gewerbeflächen und Wohnungen geben. Künftig sollen nach den Plänen in dem Quartier „Fountain“ bis zu 900 Menschen wohnen und etwa 1.200 Beschäftigte arbeiten. Bei den Wohnungen sollen ein Drittel Sozialwohnungen werden. „Im östlichen Baufeld, das sind 18.000 Quadratmeter Baufläche, würden wir gern mit Bauturbo bauen“, sagte Hines-Geschäftsführer Alexander Möll über die Fläche an der Swinemünder Straße 64A (ehemalige Pferdekoppel). Gemeint ist ein geplantes Gesetzespaket der Bundesregierung für schnellere Baugenehmigungen.

Bei der Vorstellung des Projekts "Fountain" im alten BVV-Saal am Leopoldplatz (von links): Christopher Schriner, Professor Petra Kahlfeldt, Alexander Möll und der Moderator Felix Huber. Foto: Hensel
Bei der Vorstellung des Projekts „Fountain“ im alten BVV-Saal am Leopoldplatz (von links): Christopher Schriner, Professor Petra Kahlfeldt, Alexander Möll und der Moderator Felix Huber. Foto: Hensel

Park, Kita und Quartiersplatz geplant

Auf den Flächen direkt neben der Swinemünder Straße und somit zwischen den geplanten Wohnhäusern soll eine 5000 Quadratmeter große Grünfläche entstehen. Das ist ein kleiner Park, den das Architekturbüro „Brückenpark“ nennt. Außerdem vorgesehen sind ein Quartiersplatz und Gebäude, in denen ein Hotel, Service-Wohnen und eine Kita untergebracht werden können.

Auf Nachfrage des Brunnenmagazins versicherte Hines-Geschäftsführer Alexander Möll, dass auch wieder an einen Einkaufsmarkt gedacht wird. „Einzelhandel funktioniert dort und das soll auch so bleiben. Ob das aber gleich wieder ein Kaufland wird, das kann ich Ihnen heute nicht versprechen“, sagte Möll. Er werde mit mehreren Einzelhändlern über eine Ansiedlung sprechen.

Ein Modell des künftigen Stadtquartiers am Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Hensel
Ein Modell des künftigen Stadtquartiers am Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Hensel

Kommt der Zugang zum Bahnhof zurück?

Ein langjähriger Wunsch aus der unmittelbaren Nachbarschaft rückt durch das Bauprojekt wieder in den Fokus: der verschlossene Zugang zum Bahnhof Gesundbrunnen vor dem Kaufland-Gebäude. Laut Bezirksstadtrat Christopher Schriner verhinderten bisher Bedürfnisse der Feuerwehr die Öffnung des kurzen Wegs zum Bahnhof. „Das ist eigentlich eine ideale Nebenerschließung des Bahnhofs, vor allem mit dem neuen Quartier“, sagte Schriner auf Nachfrage. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Feuerwehr wolle der Bezirk eine Lösung finden und den Zugang öffnen.

Zwei Türme zwischen U-Bahnhof und Brücke

Das neue Quartier wird ein Gebiet zwischen zwei Denkmalen. An der Brunnenstraße liegt der Eingang zum denkmalgeschützten U-Bahnhof Gesundbrunnen, fast am anderen Ende des Baufelds befindet sich die Swinemünder Brücke. Beide sollen dem Plan nach prägende Elemente des Quartiers sein. An der Brunnenstraße, hinter dem Eingang zur U-Bahn ist das höchste Gebäude geplant: ein 60 Meter hohes Haus, ein Stück weiter zur Brücke hin soll ein zweiter Turm entstehen, der 56 Meter hoch ist.

Hier geht es rein ins Kaufland am Gesundbrunnen. Foto: Sulamith Sallmann
Kaufland am Gesundbrunnen – das Gebäude soll abgerissen werden. Foto: Sulamith Sallmann

Wie es jetzt weitergeht

Wann genau der Abriss des Kaufland-Gebäudes startet und damit auch die künstlerische Zwischennutzung des Parkhauses (Urban Canvas Parkhaus Wedding) endet, steht noch nicht fest. Den nächsten Schritt zum Quartier „Fountain“ muss nun der Bezirk Mitte gehen, er muss einen Bebauungsplan aufstellen. Der Beschluss, das Verfahren zu starten, soll laut Christopher Schriner noch vor der Wahl im September gefasst werden. Anschließend werden die Pläne am Gesundbrunnen im Bezirksamt und mit den Parteien im Bezirk diskutiert. Auch die Öffentlichkeit soll laut Stadtrat einbezogen werden.

Einigkeit herrschte bei der Vorstellung des Siegerentwurfs, dass ein gemischtes und urbanes Stadtquartier entstehen soll. Laut Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt gibt es noch Entwicklungspotenzial: „Der Ort bleibt deutlich unter seinen Möglichkeiten“.

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Zu den ursprünglichen Plänen am Gesundbrunnen ist vor vier Jahren der Beitrag „Kaufland Gesundbrunnen muss bald ausziehen“ erschienen. Im Beitrag „Bahnhof Gesundbrunnen: die verkannte Zentralstation“ wurde über weiteres Entwicklungspotenzial geschrieben – am Bahnhofsvorplatz selbst.

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Kommentare

  1. Avatar von Susanne Bürger
    Susanne Bürger

    Danke für die Aufklärung, Dominique!
    „Wow“ und „Bäm“ – waren meine Gedanken. Wow, weil ich nichts von dem Termin und dem nächsten Schritt wusste und die Info überraschend kam. Bäm, weil die Gebäudekörper in dem Modell doch sehr massiv wirken. Da können die grün bemalten Dächer (Dachgärten?) in der Grafik auch nicht darüber hinwegtäuschen.

    Müde schmunzeln musste ich über „Fountain“ – Gesundbrunnen wirkt auf zahlungskräftige Kundschaft eben nicht anziehend genug. Ein Drittel Sozialwohnungen? Da hoffe ich, dass das auch rechtskräftig festgeschrieben wird und Hines & Co nicht mit Winkelzügen davon kommt.

    Der „Brückenpark“ (hieß das nicht mal „Pocketpark“?) wirkt dort eher ziemlich klein und eingequetscht. Krass finde ich auch, dass die ehemalige „Pferdekoppel“ nun doch zugebaut werden soll? Direkt im Anschluss an die Neubausiedlung Bärbel-Bohley-Ring. War das nicht mal aus Ausgleichsfläche für die Versiegelung vorgesehen?

    Nicht entdecken konnte ich den „Quartiersplatz“, ehrlich gesagt. Könnte das das Fleckchen vor dem Hochhaus in der Mitte sein?

    Detailfrage 1: Wird das ein Modellkiez ohne Autos? Oder sind noch Tiefgaragen oder anderweitige Stellplätze für Pkw vorgesehen?
    Detailfrage 2: Einkaufsmarkt ja, aber vermutlich wohl nicht in der Größenordnung wie aktuell? Oder will Hines je nach geäußertem Interesse von Handelsgesellschaften dann entsprechend Fläche einplanen?

    Die erste Hoffnung ist, dass die Gebäude mit mehr Bau-Qualität daher kommen. Schlechter als dieses Kaufland-Dingens geht es ja nicht. Aber bitte keine langweilige Schießscharten-Optik mehr.
    Die zweite Hoffnung ist, dass die Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer wirklich besser werden.
    Die dritte Hoffnung, dass die Öffnung des Zugangs zum S-Bahnhofs Gesundbrunnen zum Kaufland-Areal endlich positiv geprüft und Realität wird. Bitte findet mit Feuerwehr und DB Lösungen! Spätestens wenn die Gebäude für 900 + 1.200 Menschen stehen / bewohnt sind, wäre es doch ein Irrsinn, wenn diese „Mengen“ zu ihrer Wohnung oder ihrem Arbeitsplatz über den jetzt schon überfüllten Bahnhofsvorplatz oder über den schmalen Weg zum nördlichen Teil der Swinemünder Brücke gelangen müssten.

  2. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    schön juten Tach Fountain…. schicker Name für dieses Projekt. Welchen Gedanken hatte der Architekt im Sinn …. die Nähe zum GesundBrunnen oder Quell der Inspiration ??
    Verwendung des Wortes: In der Natur: Fountains sind oft in Parks oder Gärten zu finden, wo sie als dekorative Elemente dienen. In der Sprache: Der Begriff wird auch metaphorisch verwendet, um eine Quelle von Ideen oder Kreativität zu beschreiben.

    Bis 2030 wollte man Berlin Klimaneutral (um)bauen…. Klima ist Wetterbeobachtung und Wetter macht was es will , nur eben nicht neutral. Aber das ist ein anderes Thema….

    Auf der anderen Seite wird nachverdichtet wo es nur geht, also entgegen Klimagerecht….also viel Beton, was aus viel Zement hergestellt wird … also viel Energie zur Herstellung benötigt, was wiederum alles andere als klimafreundlich betrachtet wird….ja es ist nicht leicht , wenn man CO2 für Klimaschädlich hält…. was es natürlich nicht ist
    900 Wohnungen…. echt viel 😉 ob die ausreichen werden :))) auf keinen Fall bezahlbarer Wohnraum.
    Na schau wir mal was bis 2030 dort oben dann entstanden sein wird

    Genug der Gedanken, es ist zu heiß

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Bei der Pressekonferenz fragte eine Kollegin, warum man denn schon wieder was abreißen will und nicht umbaut. Ob irgendetwas wiederverwendet werden soll, will der Investor prüfen. Das dazu. Ein Drittel der Wohnungen werden geförderter Wohnraum sein, als Sozialwohnungen. Aber was das umgerechnet in den Mietpreis konkret bedeutet, weiß heute natürlich noch niemand. Weil man ja auch die Baukosten heute noch nicht beziffern möchte (oder kann). Wir blicken gespannt wie das Kaninchen auf die Fontäne.

  3. Avatar von Olivar

    Wann ist das Projekt fertig und gibt es Rollstuhlwohnungen?

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Es ist nicht mal klar, wann es beginnt. Vor 2030 geht wohl gar nichts sichtbares los. Fertigstellung dann Anfang der 2030er Jahre. Ob es barrierefreie Wohnungen geben wird,ist noch nicht klar. Auch die Wohnungsgrößen stehen noch nicht fest. Im Bebauungsplanverfahren wird sowas festgelegt. Das startet Ende des Jahres.

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