Mein Wedding: Wo Berlin echt ist

Wo ist das echte Berlin? Diese Frage wird immer wieder gestellt – und die Antwort fällt je nach Perspektive unterschiedlich aus. Eine mögliche Antwort liefert seit inzwischen zehn Jahren der Kunstwettbewerb „Mein Wedding“.

Wo ist echt Berlin? Hanna Dobslaw (2.v.l.) bei der Eröffnung der zweiten Freiluftausstellung. Foto: privat
Wo ist echt Berlin? Hanna Dobslaw (2.v.l.) bei der Eröffnung der zweiten Freiluftausstellung. Foto: privat

Zehn Jahre „Mein Wedding“

2015 prangte vor dem Rathaus Wedding ein riesiges Plakat mit einer Zeichnung des Leopoldplatzes: Dönerstand, Alte Nazarethkirche und das alltägliche Leben auf dem Platz, dazu der Schriftzug „Wo ist echt Berlin?“. Das war die zweite Ausgabe des Wettbewerbs. In diesem Jahr feiert „Mein Wedding“ sein zehnjähriges Jubiläum – ein guter Anlass, auf die Anfänge zurückzublicken.

Seit 2014 bringt der Plakatwettbewerb großformatige Wedding-Motive auf den Mittelstreifen der Müllerstraße – mit Ausnahme von zwei Jahren, in denen der Wettbewerb pausierte. Möglich ist das durch Menschen, die sich Jahr für Jahr für das Projekt einsetzen. Eine von ihnen hat die Idee überhaupt erst entwickelt: Hanna Dobslaw.

Hanna Dobslaw vor dem Alhambra an der Ecke Müllerstraße und Seestraße. Foto: Hensel
Hanna Dobslaw vor dem Alhambra an der Ecke Müllerstraße und Seestraße. Foto: Hensel

Wie alles begann

Die Müllerstraße spielt in ihrem Leben eine besondere Rolle. Seit 16 Jahren leitet sie das Alhambra-Kino an der Ecke Müllerstraße und Seestraße. Doch nicht nur das Kino, auch das Leben auf der Straße liegt ihr am Herzen. Lange engagierte sie sich in der Standortgemeinschaft Müllerstraße, einem Unternehmernetzwerk zur Unterstützung der Gewerbetreibenden. Dort entstand die Idee für den Plakatwettbewerb.

„Wir saßen mit der Standortgemeinschaft zusammen, es war kurz vor Ostern“, erinnert sich Hanna Dobslaw. Zunächst ging es darum, Ostereier an die Geschäfte zu verteilen, die sie an einem Osterstrauß im Schaufenster präsentieren sollten. Doch dann stellte sie eine andere Frage: „Wollen wir nicht etwas Großes machen, was man besser sieht?“ Ihr Vorschlag: ein Bilderwettbewerb. Die Idee kam im Unternehmernetzwerk gut an und so startete der erste Wettbewerb und der Überschrift „Das blaue Band“.

Beim noch unbekannten Projekt gab es im ersten Jahr zehn Einreichungen. Auch Hanna Dobslaw selbst hat ein Bild beigesteuert. „Ich habe eine Collage von unserer Ecke eingereicht“, sagt die Kinochefin. Es war nicht das einzige Mal, dass sie sich selbst beteiligt hat, um die Idee voranzubringen. „Ich bin die Müllerstraße runtergelaufen und habe die Menschen fotografiert, die hier entlang laufen“, erzählt sie von der Entstehung eines weiteren Plakats. Die Porträts waren dann ebenfalls auf dem Mittelstreifen zu sehen. Nach und nach gab es mehr Einreichungen im Wettbewerb, der ab 2015 „Mein Wedding“ hieß.

Raritäten: Postkarten mit Motiven von den ersten Ausgaben des Wettbewerbs "Mein Wedding". Foto: Hensel
Raritäten: Postkarten mit Motiven von den ersten Ausgaben des Wettbewerbs „Mein Wedding“. Foto: Hensel

Vom Hobby bis zur Profikunst

Von Anfang an wurden alle ausgestellten Motive auch als Postkarten gedruckt. Wer sie heute durchblättert, entdeckt die Vielfalt des Stadtteils: Porträts, ein Luftbild vom Himmelbeet, eine Pfütze in den Gerichtshöfen, in der sich Häuser spiegeln, einen halben geräucherten Fisch oder den Innenraum des Prime Time Theaters.

Auffällig ist dabei die Mischung. Professionelle Künstlerinnen und Künstler stehen neben Hobbygruppen und Kinderzeichnungen. Ebenso bemerkenswert: Viele Namen tauchen über die Jahre immer wieder auf. Für manche Weddingerinnen und Weddinger ist es zu einem festen Ritual geworden, jedes Jahr ein Foto, eine Zeichnung oder eine Collage einzureichen – und damit ihre ganz persönliche Antwort auf die Frage zu geben, wo der Wedding echt ist. So hat sich über die Jahre eine kleine, treue Gemeinschaft rund um den Wettbewerb gebildet.

Zum Jubiläum kehrt die Erfinderin zurück

Drei Mal hat Hanna Dobslaw „Mein Wedding“ mit der Standortgemeinschaft organisiert. Dann bekam sie ihre Tochter und gab das Engagment auf. Den Wettbewerb hat sie aber trotzdem immer aufmerksam beobachtet. „Ich freue mich, dass es weitergemacht worden ist. Offensichtlich war das eine gute Idee“, sagt sie. Zum Jubiläum kehrt die Erfinderin des Wettbewerbs nun in neuer Rolle zurück. Ein eigenes Bild wird sie diesmal nicht einreichen. Stattdessen entscheidet sie als Jurorin mit darüber, welche Werke im Herbst auf der Müllerstraße zu sehen sein werden.

Hanna Dobslaw mit Bezirksbürgermeister Christian Hanke (links) und Stadtrat Carsten Spallek bei der Eröffnung der zweiten Freiluftausstellung. Foto: privat
Hanna Dobslaw mit Bezirksbürgermeister Christian Hanke (links) und Stadtrat Carsten Spallek bei der Eröffnung der zweiten Freiluftausstellung. Foto: privat

Mitmachen bis zum 8. August

Einreichungen für den Wettbewerb „Mein Wedding“ sind noch bis zum 8. August per E-Mail an meinwedding@centre-francais.de möglich. Eingereicht werden können maximal zwei Arbeiten pro Person. Die Arbeiten sollten als PDF oder PNG im Querformat abgegeben werden. Als Betreff soll „Mein Wedding 2026 [Name, Vorname]“ angegeben werden.

Neben dem Preis der Jury gibt es in diesem Jahr wieder einen Publikumspreis: Weddingerinnen und Weddinger können dabei selbst abstimmen, welches Werk den Stadtteil am besten repräsentiert. Für die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler ist ein Preisgeld zwischen 100 und 300 Euro vorgesehen. Organisiert wird der Wettbewerb wie in den Vorjahren vom Centre Français de Berlin. Finanziert wird „Mein Wedding“ mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm „Lebendiges Zentrum“.

Mein Wedding: Weiterlesen

Alle Gewinnermotive aus dem vergangenen Jahr sind im Beitrag „Mein Wedding: Was ist das Wedding-Gefühl?“ zu sehen. Die besten Weddingmotive aus dem Jahr 2024 sind im Beitrag „Vier Überraschungen bei „Mein Wedding“ abgebildet.

Transparenzhinweis: Unsere Autorin Dominique Hensel arbeitet seit mehreren Jahren ehrenamtlich in der Jury des Kunstwettbewerbs mit.

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Kommentare

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Morjen

    ick sach mal einfach da wo icke bin ist echt Berlin… :)

    schöne Woche noch

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Hahaha. Aber ich finde auch, Du wirkst ziemlich berlinierisch. :)

      1. Avatar von Reinhard
        Reinhard

        Na siehste sach ick doch!!

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