„Ich kann doch unterschreiben“, bot ein Spaziergänger an, der am Dienstag am Parkcafé Rehberge vorbeikam. Am Tisch vor dem Gebäude wurde gerade darüber gesprochen, wer seine Unterschrift unter die drei Vertragsausfertigungen setzen darf, mit denen der Bezirk der Initiative endgültig grünes Licht für ihr Vorhaben gibt. Der Mann hatte offenbar nur einen Bruchteil des Gesprächs mitgehört und meinte vielleicht, dass hier eine weitere Petition zur Reaktivierung des alten Parkcafés unterschrieben werden soll. Doch hier ging es um mehr. Mit diesen Unterschriften beginnt die Zukunft des neuen Parkcafés Rehberge.

Zu denjenigen, die tatsächlich unterschreiben durften, gehörte Bezirksstadtrat Christopher Schriner (Grüne). Er hatte die drei Vertragsausfertigungen am Dienstag, 30. September, selbst mit in die Rehberge gebracht. Im Vertrag ist die Nutzung des bezirkseigenen Gebäudes durch den Verein Parkcafé Rehberge geregelt. Vereinbart wurde eine Nutzungsdauer von 25 Jahren – mit einer Option auf fünf weiter Jahre. Stadtrat und Vereinsvertreter unterzeichneten direkt vor dem Parkcafé.
Eine große Zeremonie war es nicht, eher eine fröhliche kleine Runde. Gekommen war auch eine Vertreterin des Zukunftshaus Wedding, das einer der zahlreichen Kooperationspartner der Parkcafé-Initiative ist. Nach den Formalitäten wurde noch geplaudert, eine Flasche Sekt wurde geöffnet. Auch Stadtrat Schriner war anzumerken, dass er sich über den Abschluss freute.
Eine Geduldsprobe und ein Vorzeigeprojekt
Der Stadtrat würdigte das Durchhaltevermögen der Initiative. Denn fast genau fünf Jahre liegen zwischen der politischen Entscheidung für das Projekt und diesem Nachmittag vor dem Parkcafé. Am 29. September 2021 hatte die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, dass die Initiative das seit Ende 2014 geschlossene Parkcafé entwickeln und betreiben soll. Danach mussten die Aktiven einen Verein gründen, ihr Konzept weiterentwickeln, die Finanzierung sichern, Gutachten und Bauplanung auf den Weg bringen und immer wieder neue Anforderungen erfüllen.

Für die Initiative waren diese Jahre eine lange Geduldsprobe. Schriner sieht die Dauer aus Verwaltungssicht etwas anders. Für ein Projekt dieser Art seien knapp fünf Jahre nicht ungewöhnlich lang, sagte er. Bei anderen Vorhaben werde das Parkcafé inzwischen sogar als positives Beispiel dafür genannt, dass eine zivilgesellschaftliche Initiative ihr Ziel erreichen kann. So sei das Projekt etwa bei den Gesprächen über den Erhalt der Fischerpinte zur Sprache gekommen.
Wie die Initiative fünf Jahre durchhielt
Fünf Jahre hat es gedauert. Aber die Aktiven haben in dieser Zeit nicht nur gewartet. Sie begannen, den Ort zu nutzen, lange bevor sie das Gebäude übernehmen konnten. Konzerte, Ausstellungen, Mondschauen und andere Veranstaltungen fanden vor den verschlossenen Türen des Parkcafés statt. In diesem Sommer wurde die Fläche davor zum „Wohnzimmer im Grünen“ – ein Treffpunkt mit Hochbeeten, Picknick und Kulturprogramm. Nach Einschätzung der Aktiven war genau das wichtig, um als Gruppe über die Jahre zusammenzubleiben.

Im Grunde nahmen sie damit schon etwas von dem vorweg, was sie mit dem Parkcafé einmal vorhaben: Sie wollten daraus wieder einen Ort der Begegnung machen. Weil sie jahrelang nicht hinein konnten, machten sie eben den Platz davor zu einem solchen Ort. Die Verbindung von Kultur und dem Einsatz für das Parkcafé gab es schon ganz am Anfang. Am 28. März 2021 veranstaltete die damals noch junge Initiative eine Kundgebung mit Musik vor dem Gebäude. Sie wollte erreichen, dass das angekündigte Interessenbekundungsverfahren endlich beginnt. Damals war keineswegs klar, dass fünf Jahre später tatsächlich ein Vertrag auf dem Tisch liegen würde.
Ein Parkcafé mit langer Geschichte
Das Gebäude selbst war zum Zeitpunkt der Kundgebung schon seit mehr als sechs Jahren geschlossen. Ende 2014 hatte das Parkcafé nach dem Tod seines damaligen Pächters den Betrieb eingestellt. Was danach mit dem Haus geschehen sollte, blieb lange offen. Dabei gehört es fast von Anfang an zu den Rehbergen. Das Gebäude entstand 1929 zusammen mit dem Volkspark. Ursprünglich war es ein Umkleidehaus mit Toiletten und Waschräumen. Zur Catcherwiese hin gab es aber bereits eine Verkaufshalle und einen Erfrischungsraum.
Um 1950 wurde das Haus umgebaut. Aus dem Erfrischungsraum wurde ein Schankraum, eine Küche kam hinzu und aus den Umkleiden entstand ein größerer Saal. Das Parkcafé entwickelte sich zum Ausflugs- und Veranstaltungslokal. Am Wochenende wurde dort auch getanzt. Noch Jahrzehnte später gehörte das Café für viele Parkbesucher zu den Rehbergen. Historische Fotos und Pläne des Parkcafés zeigte die Initiative 2024 in einer Ausstellung. Dann kam Ende 2014 das Aus.
Parkcafé Rehberge – die Chronologie
- 1929: Das Gebäude wird als Umkleidehaus mit Waschräumen, Toiletten und einem Erfrischungsraum errichtet.
- Um 1950: Umbau zum Parkcafé mit Schankraum, Küche und Saal. Das Haus wird zum Ausflugs-, Tanz- und Veranstaltungsort.
- 2014: Nach dem Tod des Pächters schließt das Parkcafé zum Jahresende.
- 2015: Der Bezirk sucht nach einer Lösung für das leerstehende Gebäude.
- 2017/18: Ein Abriss wird erwogen. Der Denkmalschutz setzt sich für den Erhalt des zum Gartendenkmal gehörenden Gebäudes ein.
- 2020: Eine Nutzung für den Boxsport ist im Gespräch.
- 2021: Die Initiative Parkcafé Rehberge gründet sich. Im März folgt eine Kundgebung mit Musik, am 29. September beschließt die BVV, dass die Initiative das Parkcafé entwickeln und betreiben soll.
- 2022: Die Initiative setzt sich im Interessenbekundungsverfahren durch und gründet einen Verein.
- 2023: Die Lotto-Stiftung stellt Fördermittel für die Reaktivierung in Aussicht. Planung, Gutachten und Finanzierung laufen.
- 2024/25: Die Vorbereitungen gehen weiter. Gleichzeitig belebt die Initiative den Ort mit Kulturveranstaltungen.
- 2026: Die Baugenehmigung liegt vor, im Sommer findet das „Wohnzimmer im Grünen“ statt. Am 30. September wird der Nutzungsvertrag für das Gebäude mit dem Bezirk unterschrieben.

Abriss, Boxsport – oder wieder ein Café?
Nach der Schließung begann eine lange Suche nach einer Zukunft für das Gebäude. Zunächst versuchte der Bezirk, die Erben des verstorbenen Pächters ausfindig zu machen. Später stand sogar ein Abriss im Raum. Der Denkmalschutz sprach sich dagegen aus: Das Gebäude gehört zum Gartendenkmal Volkspark Rehberge und sollte erhalten bleiben. Auch andere Nutzungen wurden diskutiert. 2020 war das ehemalige Parkcafé als mögliche dauerhafte Heimat für den Boxsport im Gespräch. Eine Rückkehr der Gastronomie schien damals alles andere als selbstverständlich.
Mit dem BVV-Beschluss fing die Arbeit erst an
Mit der politischen Entscheidung vom September 2021 war die wichtigste Frage zunächst geklärt: Die Initiative sollte die Chance bekommen, ihre Idee für das Parkcafé umzusetzen. Bis daraus ein unterschriftsreifer Vertrag wurde, war allerdings noch einiges zu tun. Anfang 2022 setzte sich die Initiative im Interessenbekundungsverfahren durch. Ihr Konzept ging von Anfang an über die Wiedereröffnung einer Gaststätte hinaus. Das Parkcafé sollte Café, Kulturort und Treffpunkt für die Nachbarschaft werden. Im selben Jahr gründeten die Aktiven einen Verein.
Eine der größten Fragen war die Finanzierung der Sanierung. Anfang 2023 kam die entscheidende Nachricht: Die Lotto-Stiftung stellte eine Förderung für die Reaktivierung des Parkcafés in Aussicht. Damit war ein großer Schritt geschafft – aber noch lange nicht der letzte. Gutachten mussten erstellt, die Bauplanung vorangetrieben und Genehmigungen eingeholt werden. Mit einem Crowdfunding sammelte der Verein zusätzlich Geld für die notwendigen Vorarbeiten. Parallel dazu liefen die Verhandlungen mit dem Bezirk über die langfristige Nutzung des Gebäudes.
Gerade dieser Vertrag entwickelte sich schließlich zu einer der hartnäckigsten Hürden. Während Planung und Genehmigungen vorankamen, blieb lange offen, zu welchen Bedingungen der Verein das bezirkseigene Gebäude übernehmen kann. 2026 lag schließlich auch die Baugenehmigung vor. Der Vertrag fehlte noch immer.
„Jetzt oder nie“
Im Sommer wurde die Situation für die Initiative zunehmend zur Belastungsprobe. Nach fünf Jahren Arbeit waren Aktive abgesprungen, die verbliebene Gruppe hatte viel Kraft in das Projekt gesteckt. Gleichzeitig konnte sie die zugesagten Fördermittel nicht einfach in die Sanierung des Gebäudes stecken, solange die Nutzung nicht endgültig geregelt war.
Ende August startete der Verein deshalb eine Petition. Seine Botschaft: Jetzt muss der Vertrag kommen. 741 Menschen unterschrieben. Bei der Vertragsunterzeichnung am 30. September konnte der Verein die gesammelten Unterschriften gleich mit übergeben.

Jetzt kann der Umbau beginnen
Mit dem Vertrag ist die letzte große Hürde auf Seiten des Bezirks genommen. Eröffnet ist das neue Parkcafé damit allerdings noch nicht. Nun müssen die Fördermittel abgerufen und die nächsten Schritte für die Sanierung organisiert werden. Dabei wird der Verein erneut Unterstützung brauchen. Auch Eigenleistungen sind vorgesehen. Einen festen Termin für die Eröffnung gibt es bislang nicht.
Nach fast fünf Jahren Vorarbeit beginnt mit den Unterschriften deshalb keine fertige Erfolgsgeschichte, sondern eine neue Phase: Aus Konzepten, Gutachten und Bauplänen soll nun tatsächlich wieder ein Parkcafé werden.
Parkcafé Rehberge auf einen Blick
Gebäude: 1929 errichtet, um 1950 zum Parkcafé umgebaut
Denkmalschutz: Teil des Gartendenkmals Volkspark Rehberge
Geschlossen: seit Ende 2014
Initiative: gegründet 2021
Betreiber: Verein Parkcafé Rehberge
Förderung: Lotto-Stiftung Berlin unterstützt die Reaktivierung
Baugenehmigung: liegt seit 2026 vor
Nutzungsvertrag: am 30. September 2026 mit dem Bezirk Mitte unterzeichnet
Eröffnung: noch kein Termin
Website: parkcafe-rehberge.org

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