Karstadt, Leopoldplatz, Fischerpinte: Das ist „Mein Wedding“ 2026

Der S-Bahnhof Wedding gehört für Lisa Sabrina Döring erst seit wenigen Monaten zum Alltag. Im März ist sie von Köln in den Wedding gezogen. Nun hat sie ausgerechnet mit diesem alltäglichen Weg den ersten Preis beim Kunstwettbewerb „Mein Wedding“ gewonnen. Ihre Zeichnung steht nun im Großformat am Rathausvorplatz auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße.

Lisa Sabrina Döring vor ihrer Zeichnung vom Wedding.
Lisa Sabrina Döring vor ihrer Zeichnung vom Wedding. Mit dem Bild hat sie den Kunstwettbewerb „Mein Wedding“ gewonnen. Foto: Hensel

„Das ist mein täglicher Weg zur S-Bahn“, erzählt Döring bei der Vernissage in der Schiller-Bibliothek am Donnerstag, 1. Oktober. Die Sozialarbeiterin arbeitet in Kreuzberg, den Wedding selbst lernt sie noch kennen. Für ihr Bild hat sie ein Stück Müllerstraße unmittelbar vor der Bahnbrücke gezeichnet. Menschen sind unterwegs, Autos fahren über die Straße, die Treppe zur U-Bahn ist zu sehen. An der Brücke leuchten die bunten Farbbänder und der Schriftzug „WEDDING“. Fast wie auf einem Wimmelbild gibt es viele kleine Details zu entdecken. Döring zeichnet mit Buntstiften. Zeichnen sei ihr Hobby, „eigentlich schon immer“, sagt sie. Vielleicht liege das in der Familie: Ihre Mutter sei Illustratorin.

Preise für zwei Neu-Weddingerinnen

Mit dem Blick einer Neu-Weddingerin auf den Stadtteil ist Döring unter den Preisträger:innen nicht allein. Auch Kamila Jeka, die mit „multiWErsDDING“ den zweiten Preis erhielt, erzählte bei der Vernissage, dass sie erst vor sechs Monaten in den Wedding gezogen ist.

Ihre Collage versammelt ganz unterschiedliche Eindrücke vom Leopoldplatz. Die Nazarethkirche und der Schriftzug „Café Leo“ sind darin ebenso zu finden wie ein Bus und verschiedene Menschen. Dazwischen tauchen Katzen, ein Hund, ein Einkaufswagen und eine türkische Pizza in Alufolie auf. Zu sehen ist aber auch ein abgestelltes Sofa, auf dem sich Müll angesammelt hat. Vieles von dem, was rund um den Leopoldplatz nebeneinander existiert, findet sich auch in Jekas Bild.

Der dritte Preis ging an Tom Witry. Seine Fotografie „Fische am Leo“ zeigt aus einer tiefen Perspektive zwei Frauen, die vor Eimern mit Fischen knien. Eine der Frauen hält einen Fisch in der Hand. Im Hintergrund ragt die Alte Nazarethkirche auf und verortet die ungewöhnliche Szene eindeutig auf dem Leopoldplatz. Witry selbst war bei der Vernissage nicht dabei.

Die drei Jurypreise sind mit 300 Euro für den ersten, 200 Euro für den zweiten und 100 Euro für den dritten Platz dotiert.

Zwölf Blicke auf den Wedding

Wer die zwölf ausgewählten Arbeiten nebeneinander betrachtet, bekommt keinen Wedding aus Postkartenmotiven zu sehen. Da sind ein Späti und ein Gemüseladen, ein Dönerimbiss, Busse und Bahnen, Menschen auf der Straße. Daneben stehen vertraute Orte wie der Leopoldplatz, der Humboldthain oder der Volkspark Rehberge.

Und manchmal landet in den Bildern genau das, worüber im Wedding gerade gesprochen wird. Das war schon während der Juryarbeit auffällig. Gleich mehrere der eingereichten Arbeiten hatten in diesem Jahr die Fischerpinte am Plötzensee zum Motiv. Die Fotografie „Fischerpinte, August 2026“ von Marie-Zoë Graul schaffte es schließlich unter die zwölf ausgewählten Arbeiten.

Kunstplakat auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße. Das Motiv hat 2026 den zweiten Platz gewonnen.
Die zwölf ausgewählten Motive sind im Oktober und November auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße zu sehen. Hier die Collage „multiWErsDDING“ von Kamila Jeka. Foto: Hensel

Auch das ehemalige Karstadt-Gebäude am Leopoldplatz ist im Kunstwettbewerb wieder dabei. Schon im vergangenen Jahr gehörte ein Karstadt-Motiv zur Ausstellung. Diesmal zeigt Christoph Eckelt das Gebäude in seiner nächtlichen Aufnahme „Karstadt oder das Licht des Nichts“. Die zwölf Bilder erzählen damit nicht nur davon, wie der Wedding aussieht. Sie zeigen auch, wie Menschen den Stadtteil erleben und was sie hier gerade beschäftigt.

Bei der Vernissage am Donnerstagabend gab es Gelegenheit, einige der Geschichten hinter den Bildern kennenzulernen. Bei einem kleinen gemeinsamen Rundgang zu den Arbeiten, die außen an der Schiller-Bibliothek zu sehen waren, erzählten anwesende Künstler:innen von ihren Motiven, darunter Laetitia Hildebrand. Lukas Meister begleitete den Abend mit Musik.

Jetzt entscheidet das Publikum

Die Jury hat ihre drei Preise vergeben. Welches der zwölf Bilder den Publikumspreis bekommt, ist dagegen noch offen. Bis zum 1. November kann darüber abgestimmt werden – online oder ganz analog in der Schiller-Bibliothek.

Alle zwölf Motive von „Mein Wedding“ 2026

Welches Bild ist dein Favorit? Hier geht es zur Online-Abstimmung für den Publikumspreis. In der Schiller-Bibliothek kann ebenfalls bis zum 1. November abgestimmt werden.

Vor zehn Jahren fing alles an

Bei der Vernissage war auch die Frau dabei, ohne die es „Mein Wedding“ vermutlich nicht gäbe. Hanna Dobslaw hatte vor zehn Jahren die Idee zu dem Wettbewerb. Damals war sie Mitglied der Standortgemeinschaft Müllerstraße, die inzwischen nicht mehr existiert. Sie wollte der Müllerstraße eine schöne Aktion schenken. In einem separaten Beitrag steht, wie „Mein Wedding“ entstand.

Piotr Sosinski vom Stadtplanungsamt Mitte führte durch den Abend. Er dankte den Beteiligten und erinnerte besonders an Dobslaw und die Anfänge des Wettbewerbs. Die Leiterin des Cineplex Alhambra war gemeinsam mit ihrer Tochter zur Vernissage gekommen. Und die hatte am Ende noch eine Frage: Gibt es eigentlich ein Mindestalter, um bei „Mein Wedding“ mitzumachen? Nein, gibt es nicht. Sie lächelte. Vielleicht ist bei der nächsten Ausgabe also auch ein Bild von ihr dabei.

Hanna Dobslaw mit ihrer Tochter bei der Vernissage von "Mein Wedding" 2026
Hanna Dobslaw hatte vor zehn Jahren die Idee zu „Mein Wedding“. Zur Vernissage kam sie mit ihrer Tochter. Foto: Rolf Fischer

Was passiert nach 2028?

Wie lange es „Mein Wedding“ insgesamt noch geben wird, ist offen. Zum dritten Mal wird der Wettbewerb inzwischen vom Centre Français de Berlin organisiert. Finanziert wird er mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Lebendige Zentren und Quartiere“ im Fördergebiet Müllerstraße. Das Fördergebiet wurde noch einmal verlängert und läuft Ende 2028 aus. Damit ist auch der Kunstwettbewerb für zwei weitere Jahre gesichert. Wie es danach mit „Mein Wedding“ weitergeht, ist noch offen.

Wo die zwölf Bilder zu sehen sind

Die zwölf Motive sind im Oktober und November großformatig auf den Plakatwänden auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße zu sehen. Bis zum 1. November werden sie außerdem im Kleinformat in der Schiller-Bibliothek gezeigt – zunächst im Foyer, später im ersten Obergeschoss. Dort kann auch für den Publikumspreis abgestimmt werden.

Die Bilder gibt es außerdem zum Mitnehmen: In der Bibliothek liegen kostenlose Tischkalender und größere Wandkalender mit den zwölf Motiven aus. Auch Postkarten sind wieder erhältlich.

Transparenzhinweis: Unsere Autorin Dominique Hensel arbeitet seit mehreren Jahren ehrenamtlich in der Jury des Kunstwettbewerbs mit.

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Kommentar

  1. Avatar von Susanne Haun

    Herzlichen Glückwunsch 🍾 an alle Beteiligten.

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