Zwischen Kulturquartier und Kiez: Das Arsenal eröffnet im Wedding

Im Wedding öffnet am 3. Mai das Kino Arsenal seinen neuen Standort in der Plantagenstraße – und bringt damit eines der wichtigsten Institute der deutschen Filmkultur vom Potsdamer Platz in den Kiez. Der Umzug fügt sich in eine Gegend ein, in der Kino einst allgegenwärtig war: Rund um den Gesundbrunnen prägten im frühen 20. Jahrhundert zahlreiche Lichtspielhäuser das Stadtbild, bevor viele von ihnen verschwanden. Heute ist das Kino im Wedding wieder im Kommen – zwischen Traditionshäusern, neuen Spielorten und internationaler Filmkultur.

Der Haupteingang des Kino Arsenal in der Plantagenstraße. Foto: Hensel
Der Haupteingang des Kino Arsenal in der Plantagenstraße. Foto: Hensel

Ein neues Kino im Wedding

Zu den drei etablierten Kinostandorten im Wedding kommt nun eine neue Adresse hinzu: Kino Arsenal, Plantagenstraße 30. Das Kino befindet sich auf der Rückseite des Silent Green Kulturquartiers, das über die Gerichtstraße zugänglich ist. Am bisher nicht genutzten Hintereingang strahlt nachts nun der Name „Kino Arsenal“ in Leuchtbuchstaben. Von hier aus können die Kinobesucher:innen ab Mai in die Welt des Arsenal Filminstituts eintauchen.

Erste Begegnungen mit der Nachbarschaft

Das Kino hat sich bereits in der Nachbarschaft vorgestellt. Ein Besuch beim Quartiersmanagement gehörte genauso dazu wie eine Postkartenaktion, bei der Wunschfilme eingereicht werden konnten. Und es gab einen besonderen Kinoabend: Am Mittwoch (23.4.) war die unmittelbare Nachbarschaft zu einer kostenlosen Testvorstellung eingeladen. Die Weddingerinnen und Weddinger waren neugierig: alle 169 Plätze waren vergeben. Wer sich angemeldet hatte und einen Platz bekam, sah den Film „Spielerinnen“, den neuesten Teil einer Langzeitdokumentation der Filmemacherin Aysun Bademsoy über vier türkische Fußballerinnen aus Berlin-Kreuzberg.

Ein Ticket für die kostenlose Testvorführung für die Nachbarschaft. Foto: Hensel
Ein Ticket für die kostenlose Testvorführung für die Nachbarschaft. Foto: Hensel

Ein Kino im ehemaligen Krematorium

Die Gäste bei der Probevorstellung konnten ein ganz besonderes Kino erleben: Ein ungewöhnlich geformter Saal mit gewölbter Decke, der des guten Klangs wegen mit großen Platten ausgekleidet ist. Die Installation gibt dem Kinosaal etwas Organisches – es sieht aus wie das Innere eines großen lebenden Raumschiffes aus einer Science-Fiction-Serie. Es ist ein beeindruckender Raum geworden, etwas extravagant und sehr schön. Damit passt die Gestaltung auch zum anspruchsvollen und besonderen inhaltlichen Profil des Kino Arsenal.

Das Kino ist in eine ehemalige Trauerhalle des Krematorium Wedding eingebaut worden. Ein Kino im Denkmal, mit hochmoderner Technik: Der Klang ist sehr gut, es gibt Technik für Abspielen aller möglichen digitalen und analogen Filmformate und Wortbeiträge aus dem Publikum werden automatisch verstärkt. Bei Publikumsgesprächen muss hier kein Mikrofon herumgereicht werden.

Blick in den Kinosaal bei der Testvorführung für die Nachbarschaft. Foto: Hensel
Blick in den Kinosaal bei der Testvorführung für die Nachbarschaft. Foto: Hensel

Eröffnung und Programmstart

Das neueste Kino im Wedding eröffnet am 3. Mai mit einer Vorstellung um 18 Uhr und um 20 Uhr. Um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, die Eröffnung zu verfolgen, wird das Programm auch in die Kuppelhalle des Silent Green Kulturquartiers übertragen. In der Folge gibt es täglich Filmvorführungen im Kino Arsenal.

Am 11. Mai läuft erstmals die Reihe „Fenster zum Hof“. Dabei handelt es sich um eine Reihe, die aus den Wunschfilmen aus der Nachbarschaft gespeist wird. Zum Auftakt wird „Ariel“ gezeigt, ein Spielfilm des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki aus dem Jahr 1988. Den Film „Tagediebe“ von Marcel Gisler aus dem Jahr 1985 hatten sich ebenfalls Nachbar:innen gewünscht. Er läuft am 20. Mai in der Kiezreihe.

Das Programm des Kino Arsenal ist online unter www.arsenal-berlin.de/kino zu finden.

Arsenal forever: Blick ins Kinofoyer. Foto: Hensel
Arsenal forever: Blick ins Kinofoyer. Foto: Hensel

Kinos im Wedding

Im Stadtteil gibt es nunmehr vier Kinos mit regelmäßigem Programm.

Das Alhambra in der Seestraße gibt es bereits seit den 1920er Jahren. Es gehört seit 2010 zur Kino-Unternehmensgruppe Cineplex. In dem Multiplex-Kino gibt es insgesamt acht Kinosäle und täglich mehrere Vorstellungen mit den aktuellsten Kinofilmen, aber auch Sonderreihen wie dem Film-Café oder dem Strickkino.

Das City Kino Wedding ist ein Arthousekino im deutsch-französischen Kulturzentrum Centre Français in der Müllerstraße. Es hat 2014 wiedereröffnet. Das Ein-Saal-Kino mit 218 Plätzen zeigt täglich mehrere Vorstellungen. Es ist häufig Gastgeber für verschiedene Filmfestivals wie das Arabische Filmfest ALFILM, die Berlinale oder das British Shorts.

Das Sinema Transtopia befindet sich in der Lindower Straße am S-Bahnhof Wedding. Das Kino entstand 2020 als Projekt des Kollektivs bi’bak e.V. zunächst im Haus der Statistik in Berlin-Mitte. 2023 zog das Kino an seinen Standort im Wedding um. Das Kino ist ein politisch und kulturell kuratierter Kino- und Begegnungsraum, der Film als Mittel für gesellschaftliche Debatten versteht. Die gezeigten Filme sind geprägt von einer postmigrantischen Perspektive.

Das Kino Arsenal versteht sich als internationales Zentrum für Filmkultur, das Kino, ein Archiv mit rund 10.000 Filmkopien und Forschung miteinander verbindet. Der Wedding hat damit ein international bedeutendes Filminstitut im Kiez. Gezeigt werden kuratierte Programme, die Filmgeschichte, Gegenwartskino und politische Diskurse verbinden. Am neuen Standort gibt es aber auch die Wunschfilmreihe „Fenster zum Hof“. An den Wochenenden soll es künftig auch ein Kinderprogramm geben.

Weiterlesen zu Kinos im Kiez

Mehr über die vielfältige Kinokultur rund um den Gesundbrunnen steht im Beitrag „Kinos im Brunnenviertel: Vorhang auf! Vorhang zu!“.

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